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Plötzlich behindert - die Neuerfindung

Plötzlich behindert - die Neuerfindung
Nein, man muss keine Behinderung erfinden. Aktuell gibt es genug Auswahl.

Es geht darum, ob Ihr Euch mitten im Leben neu erfinden musstet, um da Eure Behinderung einzubauen.
Kann man einfach so weiter machen, wie bisher? Oder gab es den völligen Umbruch?

Kommentare

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Thohom 19.09.2025 15:01
Ich fang mal an bei mir.

1) Mit 45 plötzlich gehbehindert. Das war schon merkwürdig. Vorher 20km durch den Wald gerannt und nun sind plötzlich 100m eine Herausforderung. 
2) Schmerzen.....ekelig, mag ich nicht.
3) Irgendwann war es mit meiner Schauspielerei vorbei und die verdrängten Depressionen kamen bei mir an die Oberfläche. 

Ich habe mich mit 45 neu erfunden. Auf dem Weg zu der Persönlichkeit, die ich heute bin, hab ich viel Unsinn gemacht und auch so einige Nackenschläge eingefangen. Komischerweise waren und sind die Depressionen (also Nummer 3) das größte Problem für mich. Ich passe genau auf, dass ich da nicht wieder hineinrutsche. Ja, ich nehme Medis.
Nummer 1 ist Gewohnheit geworden. Ich habe Erfahrung gesammelt, renne aber gewiss keinen Marathon.
Numm 2, die Schmerzen. Da helfen mir Schmerzmittel. Ich brauche die glücklicherweise nicht dauerhaft, sondern nur bei Bedarf.

Ich habe mir gesagt: Mein Leben ist nicht vorbei, es geht einfach anders weiter.

Wie soll man vorgehen? Sich selber auf Null setzen und dann austesten, was geht und nach und nach steigern?
Oder macht man genauso weiter und merkt immer wieder, was alles nicht geht?

Sorry, ich wollte schneller sein, aber da kam ein Telefonat dazwischen.
 
Servalcat 19.09.2025 15:59
Also meine Behinderung habe ich schon seit ich 5 bin. Von daher kenne ich nichts anderes. Kla man muss so im Alltag hier und da bisschen tricksen, um Menschen, die damit nicht vertraut sind, nicht all zu sehr zu schocken. Aber im Großen und Ganzen hab ich es im Gegensatz zu manch anderen, die viiiiiieeel schlimmere Behinderungen haben als ich noch gut getroffen
 
Benni8811 19.09.2025 16:00
Datum, 5. Oktober 2015. Unfalltag. Stichtag. Vorher eingeben und nachher Einleben!

Beide Leben sind nicht miteinander zu vergleichen… Alles neu, alles anders. Gehe auf Feld null zurück und starte neu… Lustigerweise mit Einschränkungen… Geht das? Klar! Nicht immer schnell, nicht immer sofort. Aber mit Übung und einer neuen Herangehensweise und Denkweise sogar ziemlich gut!
 
Benni8811 19.09.2025 16:01
In der vorigen Nachricht ist ein Schreibfehler. Es sollte heißen, vorher ein Leben und nachher Einleben.
 
(Nutzer gelöscht) 19.09.2025 17:38
2020; mit 63 ging es richtig los. Laufen funktionierter deutlich schlechter und die Probleme mit der Feinmotorik hatte ich schon Jahre vorher. 

Leider waren die drei Neurologen, na sagen wir mal Minderkompetent und habe die wahre Ursache der Beschwerden nicht erkannt. Sie sind den einfachen Weg gegangen. 

Anfang 2021 kam dann ein Sturz in der Wohnung. Wieder aufstehen funktionierte nicht. Mit der Feuerwehr in die Charité, 

3 Wochen Klinik Diagnose CIDP-MGUS, extrem seltene Autoimmunerkrankung. 5 Wochen Reha und nach nochmal 1 Woche wurde ich im E-Rollstuhl entlassen. Zur CIDP hab ich mal einen Blog eröffnet. 

Nach 9 Monaten konnte ich aus dem Rolli raus. Laufen am Rollator geht, eingeschränkt. Die Behandlung mit regelmäßigen Infusionen, Ergotherapie und Physiotherapie werde lebenslang brauchen. Nach drei Jahren endete die Klage wegen Fehlbehandlung mit einem Vergleich.

Ich musste relativ schnell lernen Hilfe anzunehmen.
 
Marianne 19.09.2025 17:52
ich habe im 40igsten die Diagnose MS bekommen. War am Anfang nicht so schlimm, nur sind dann schön kleinweise meine Beine schwächer geworden. Und je weniger Bewegung man mach,t umso schlimmer wird es.

Aber notfalls schaffe ich es auch noch in den 3.Stock, wenn der Lift wieder mal kaputt ist.🙂
 
Thohom 19.09.2025 17:58
Wie ist es mit Eurer Neuerfindung?

Musikgirl.... es bringt nichts, wenn Du postest, dass Du hier nicht mitreden kannst.
 
(Nutzer gelöscht) 19.09.2025 18:11
Neuerfindung? Ich denke nicht. Ich mach fast genauso weiter wie vorher nur weniger und langsamer.
 
(Nutzer gelöscht) 19.09.2025 18:13
Ich bin ja auch keine 20 mehr.
 
Thohom 19.09.2025 18:25
Alex....das ist nicht das Thema. Es geht darum, wie man das auf die Reihe bringt.

Marianne und Klaus, wenn ich das richtig verstanden habe, ist es bei Euch irgendwie schleichend und kann sich auch noch weiter verändern. 

Bei mir war das plötzlich da und verändert sich dann auch nicht mehr. Benni hat es ähnlich beschrieben.

Ich finde es ganz praktisch, dass ich da nicht mit irgendeinem Damoklesschwert im Hintergrund leben muss, mein Gedanke dazu.
 
Marianne 19.09.2025 18:29
wenn ich Pech habe, kann ich auf immer und ewig im Rollstuhl landen. Das Damoklesschwert schwebt
 
blume 19.09.2025 18:30
ich habe alles noch in der reha geregelt. auto, führerschein, badumbau...nach 3 monaten hab ich dann beim arbeiten geschaut, ob ich da mit rollstuhl aufs klo komm...und dann war ich auch wieder im büro  🤷‍♀️
 
Thohom 19.09.2025 18:48
Umbauten sind bei meiner Behinderung nicht sooo zwingend nötig gewesen.

Ich war schon stolz daruf, dass ich 2 Stunden joggen konnte. Das war dann weg, plötzlich gehbehindert. Bin ich überhaupt noch der Mann, der ich vorher war? Großer, kräftiger Kerl und dann kommt der nicht mehr vom Fleck. Wie ist das mit der Wirkung auf das andere Geschlecht? Noch attraktiv?

Ging Euch sowas nie durch den Kopf?
 
Marianne 19.09.2025 18:52
mir geht das momentan häufig durch den Kopf, da ich einen neuen Partner suche. Die meisten sind einfach zu sportlich, oder kommen mit einem Handicap nicht zurecht. Sie wollen auch keine Einschränkungen durch den Partner.
 
Thohom 19.09.2025 18:53
Wie siehst Du denn eine Behinderung bei einem Partner?
 
Marianne 19.09.2025 19:00
das ist eine gute Frage - ich habe mir in den letzten 2 Jahren ein wunderbares Leben aufgebaut, dass ich nur ungern aufgeben würde. Aber es kommt auf den Mann an - wo die Liebe hinfällt, da spielt ein Handicap keine Rolle.
 
Thohom 19.09.2025 19:04
Okay....Du brauchst einen, der das genauso sieht.😉

Es kann übrigens von Vorteil sein, wenn man eine ähnliche Behinderung hat. Man muss nicht alles lang und breit erklären.🙂
 
Marianne 19.09.2025 19:08
das ist richtig 🙂
 
piepek 19.09.2025 20:19
Krebserkrankung mit 41 und das mitten im Gesicht (Mund), vom Opa nichts weiter geerbt, außer diesem Mist, der hatte das gleiche an der selben Stelle. Tumor so blöd positioniert, dass der Unterkiefer im Weg war. Nach vier Operationen Profil vom Gesicht einigermaßen wiederhergestellt. 
Nach erster großen OP in der MHH (Medizinische Hochschule Hannover), Sozialabeiterin vor Ort mit der Frage, ob wir zusammen einen Rentenantrag stellen wollen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, wo oben und unten ist. Ich wollte auch nichts von Behinderung wissen, konnte ja laufen und die Arme bewegen.
Hatte mich 2013 kurz vor der Erkrankung im Öffentlichen Dienst beworben, Absage mit der Begründung, wenn sie Schwerbehindert wären, hätten sie den Job bekommen. 

2014 ist diese Stelle erneut ausgeschrieben, hab mich wieder beworben. Beim erneuten Vorstellungsgespräch dann die Frage, warum sie mich nehmen sollten, 
meine trockene Antwort war: letztes Jahr haben sie mich nicht genommen weil mir die Behinderung fehlte, jetzt bin ich behindert, mehr Einsatz können sie nicht verlangen. Job bekommen und bis heute dort, war wie ein 6er im Lotto.

Im Alltag habe ich damit zukämpfen, dass ich zum Essen länger brauche und nicht an jeder Feier, ob privat, oder Beruf teilnehme. Ich musste das deutliche Sprechen mit den neuen Begebenheiten wieder erlernen.Eine Partnerin zu finden ist ebenfalls schwer, obwohl das sicher auch an mir liegt, da ich mich in vielen Bereichen zurückgezogen habe. Ich merke immer wieder, dass gewisse Dinge nicht mehr so gehen wie vorher und das macht was mit einem. 
Letztendlich hätte es doch schlimmer kommen können.
 
Thohom 19.09.2025 20:55
Lach....das mit dem Zurückziehen kenne ich auch. Depressionen können einsam machen.
HL bietet da die Möglichkeit sich zurückzuziehen, wenn es einem zuviel wird. Manchmal wird dann nachgefragt, wo man steckt.... ein schönes Gefühl, finde ich.

Wenn es nicht mehr so geht, wie früher, machs es eben anders oder mit Umweg oder sonstwie. Da bist Du völlig frei.
Ich finde es wichtig, dass man nicht immer hadert, sondern sich selber annimmt.
 
EinedieserSteine 20.09.2025 12:14
Nach den ersten Fragen
Wo kommt das auf einmal her?
Welche Möglichkeiten habe ich?
Was kann ich tun?
Wie erfinde ich mich neu und mache mein Ding?
Das Leben anpacken und stur dadurch.
Es wurde mir klar, was mir wirklich wichtig ist.
Glücklicherweise habe ich es nun auch möglich gemacht.
 
perfectday 20.09.2025 12:20
Schockphase und beginnende Akzeptanz, Schneckenhaus und neue Perspektiven entdecken. 
Liebevoll annehmen, was das Leben noch bereithält...
und Schuhe mit Absatz wegwerfen.😅

Mein Unfall ist 9 Jahre her und mein "Normal" ist jetzt wirklich normal und nicht mehr fremd!😊

Dafür bin ich mächtig dankbar!😊
 
Marianne 20.09.2025 12:23
ja, die Schuhe mit Absatz habe ich auch alle weggeworfen. Hat mir im Herzen weggetan, vorallem die Tanzschuhe😢
 
perfectday 20.09.2025 12:29
Ah, noch eine ehemalige Tanzmaus! 😊

An der Hochzeit meiner Tochter hat man mich zu vorgerückter Stunde mit Peroneusschiene auf der Tanzfläche vorgefunden. Das das gesundheitlich eine Schnapsidee ist, war mir klar...und ich hab es auch büßen müssen. EGAL!!!
 
Marianne 20.09.2025 12:34
oh ja, Standard Tanz war meine grosse Leidenschaft. Ich habe sogar mal einen Boogiekurs gemacht.
Hoffentlich war es nicht zu schlimm, nach deiner Schnapsidee🙂
 
perfectday 20.09.2025 12:36
Ich hätte mein Bein gerne weggeworfen, es hat die ganze Nacht getillt. Manchmal muss man auch ein bisschen unvernünftig sein.😉
 
Marianne 20.09.2025 12:37
ja, das gehört dazu😉
 
Thohom 20.09.2025 12:50
Tanzen? Ja, warum denn nicht? Nee, Walzer, Discofox passen bei mir nicht richtig, weil ich den Unterschenkel nicht nach hinten anheben kann. Das geht nur im Vorwärtsgang. Außerdem habe ich sehr große Füße....und da ist bei so nem schlecht zu kontrollierenden Teil ein großer Gefahrenbereich. Ich hab mal mit einer Dame, die eine Prothese trug getanzt....sie motzte auch, als ich auf ihrem Fuß stand, aber es tat nicht weh.😅

Aber im Ernst, tanzen muss man dann unter Gleichgesinnten. Ich war öfters auf Veranstaltungen, wo es abends nach dem Essen Tanz gab.Natürlich waren 3/4 der Leute fußlahm. Behindertensport eben. Da tanzte man eben anders. Der DJ wurde instruiert und dann gab das so ne Art Tanz bei dem man im großen Kreis stand und mehr mit den Armen fuchtelte. Wer nen Discofox hinkriegte, kreiselte eben durch die Mitte.
Da waren Leute unterwegs, die seit Jahrzehnten nie getanzt hatten und andere, denen man es nie zugetraut hätte. 

Am Schluß gab es ganz viele verschwitzte, glückliche Leute mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
 
Marianne 20.09.2025 12:53
das klingt toll😀
 
perfectday 20.09.2025 13:02
Tango geht nicht mehr.😉

Freestyle ohne Partnerkontakt geht!😊
 
Thohom 20.09.2025 13:04
Wie haben auch mal ne Polonäse gemacht, abends im Skihotel.

Kaum einer hatte ne Prothese dran, also wurden Stühle hintereinander gestellt und dann ging es ab....im Sitzen.😎
 
Marianne 20.09.2025 13:06
Wiener Walzer geht definitv nicht mehr😔
 
perfectday 20.09.2025 13:09
Wie lange es dauert, bis man die neue Situation akzeptiert, ist sicher unterschiedlich. Aber hier in diesem Forum gibt es einige, die Mut machen und zeigen, dass man immer noch ein gutes Leben hat und Spaß haben kann!

DANKE dafür, liebe Leute!😘😘😘
Mir hat das sehr geholfen!
 
Marianne 20.09.2025 13:12
ich habe das schönste Leben auf Erden, habe viel Spass, bin viel auf Reisen und trotzdem gibt es einige Dinge. die ich vermisse. Darum, geniesst das Leben😀
 
Thohom 20.09.2025 13:35
Heute Nacht habe ich eine kurze Reportage gesehen über ein älteres Ehepaar, dass mehr oder weniger allein in der Ostukraine in einem fast verlassenen Dorf lebt. Dieses Gebiet ist zurückerobert worden und die besetzenden Russen haben ein paar "Geschenke" zurückgelassen.
Ihr Haus und den Hof haben sie nach Sprengmitteln abgesucht, aber der Opa (vermutlich bin ich älter) war in leeren Munitionskisten am herumfuhrwerken, um sie als Brennholz zu nutzen. Eine war wohl mit einer Handgranate verbunden und explodierte, als die richtige Kiste bewegt wurde. Unterschenkel ab und er lief ganz gut mit seiner Prothese. Er schien nur das übliche Problem mit einem schlecht sitzenden Schaft zu haben.
2 Jahre später ist seine Frau dann an ihrem Geburtstag, als sie etwas weiter weg war vom Grill, auf eine Mine getreten. Ihr Sohn hat ihr das Leben gerettet, weil er das Bein abgebunden hatte. Ihr wurde der Unterschenkel amputiert. Das Problem ist ja immer, wenn das KH weit weg ist und man in der Pampa wohnt.
Sie lief schlechter, muss man sich wohl nochmal genau anschauen. 

Trotz dieser Schicksalsschläge machten die beiden einen zufriedenen Eindruck. Der Mann zeigte auch stolz die gefüllte Vorratskammer im Keller. Sie schienen zum größten Teil von ihrem Vieh und ihren Früchten das ganze Jahr über zu leben.
Beeindruckend! In der letzten Szene lief dann auch noch ihr dreibeiniger Hund zu ihnen. Was für eine Familie.
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