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Bedürfnisse im Zwiespalt

Bedürfnisse im Zwiespalt
…ich habe das Bedürfnis, das ich nicht störe - gleichzeitig möchte ich „mitmachen“ und wenn ich mitmache so, wie mir der Schnabel gewachsen ist…, sonst macht ja ein anderer mit.. 
und es tut gut, bis ich darauf hingewiesen werde, dass ich störe oder stören könnte. Dann ist das falsche Bedürfnis, das man gerade im Moment der Leichtigkeit kurz vergessen hat, wieder kurz lauter..
Man kann nicht nicht kommunizieren (Watzlawick) - und einer stört sich immer… den einen stört es, dass es drei Diskussionen zu einem gefühlt ähnlichen Thema gibt, den anderen, dass vom Thema abgekommen wird, den nächsten, dass man zu viel Raum einnimmt, und dann doch wieder die eigene Diskussion starten sollte - und manchmal ist der eine und der andere sogar ein und die selbe Person, nur in einem anderen Gemütszustand unter anderen Umständen - was normal ist.  

Ich finde mich wieder im Konflikt zwischen den Bedürfnissen - und springe hin und her, zwischen dem einen und dem anderen Extrem. Die goldene Mitte (Aristoteles), entspricht mir nicht.. so gar nicht. Und versuch ich es, ist es sehr anstrengend.. und ich verlier mich selbst.. 
Wenn ich mich verstelle störe ich allerdings mich. Wenn ich mich überall fernhalte, wo ich stören könnte, habe ich keinen Ort auf der Welt und verbiete mir das Bedürfnis nach sozialen Beziehungen - macht krank. 

Ein (oftmals weiser) älterer Herr hat mir an dieser Stelle das Bild geschenkt, dass der Herzschlag auch immer nach oben und nach unten geht.. und das Leben auch. Der aristotelische „Mittelweg“ könnte den Herzstillstand bedeuten (selbst dieser Zustand würde in meinem Fall noch Leute stören für die ich dankbar bin…). 
Betrachtet man den Herzschlag,  im Gesamten, statt im einzelnen Moment des Hochs und Tiefs…ergibt sich doch wieder eine Regelmäßigkeit und die Auf und Abs ergeben zusammen die Mitte. 
…und auf einmal ist ein „zu viel“ und „zu wenig“ sein, im Wechselspiel dann doch ein „gerade richtig“.  

Wenn man so ist wie man ist, sollte man nicht dran verzweifeln, so zu werden, wie es andren recht wäre (das Thema kennen auch viele hier)
.. unbeschadet und ohne Schaden zu verursachen kommt man ohnehin nicht durch‘s Leben. 
Und es ist angenehmer, leichter und gesünder, dass man nicht die Zerrissenheit in sich trägt, es nicht allen Recht machen zu können, sondern den Glauben daran, es nicht allen Recht machen zu müssen. 

Der Text für die, die gerne mehr lesen. ..und Moment, manchmal geht beides….

Kommentare

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vrono 16.11.2025 03:49
…aber anders. 

Welches Bedürfnis stünde für euch an erster Stelle? : 

Das Bedürfnis zu beschenken, oder das Bedürfnis ein Geschenk guten Gewissens ablehnen zu können, weil man es nicht möchte. 
Beschenkter und Schenkender - zwei Personen, und sehr viel mehr als zwei Bedürfnisse, weil das Problem nicht bei diesen zwei Bedürfnissen aufhört… 

(Weil es auf die Weihnachtszeit zugeht)
 
ICHJA 16.11.2025 03:54
ich bekomme gerne - echt - etwas geschenkt 

Ansonsten „befriede“ ich meine Bedürfnisse nach trinken ( eher Kaffee / -Spezialitäten) dann essen und draußen im Grünen aufhalten 🥰😋🫖☕🍀
 
fetzenfisch 16.11.2025 06:01
Vrono danke für deinen eingangstext ich sehe mich total darin wieder ich danke dir wirklich es hat mir irgendwie wieder einen Blickwinkel und etwas aufgezeigt ich kann das nicht anders erklären aber du weißt bestimmt gefühlsmäßig was ich meine. Gruß Margit und einen schönen guten Morgen
 
Lerato77 16.11.2025 06:39
Vrono und Fetzi, hier sollte sich jeder so ausdrücken dürfen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist! Wen das stört, der muss eure Beiträge ja nicht lesen.
 
Maria57 16.11.2025 07:53
Vrono, deine Erklärung ist sehr interessant, danke.
Schönen Sonntag 👋😊🌳
 
Jinjer 16.11.2025 08:04
wenn man versuchen würde, es allen recht zu machen, verliert man sich selbst aus den augen.
dann verschwinden die ecken und kanten, die einen ja erst interessant machen und man wäre wie eine eibe im wind, die sich in jede windrichtung beugt.
und davon ist dringendst abzuraten 😉
 
Zenaida 16.11.2025 08:34
Für mich steht mein Bedürfnis nach Authentizität im Vordergrund. Ich kenne aber auch das Bedürfnis, nicht stören zu wollen, nicht mehr Raum einzunehmen, als mir zusteht - oder ich eben brauche. 

Ein sehr gutes Beispiel ist das Reisen im Nahverkehrszug, der keinen (oder wenig) Raum für große Koffer bietet. Eigentlich sollte jeder Mensch nur einen Sitzplatz blockieren und sich nicht unnötig ausbreiten, zumal, wenn der Zug voll ist. Wenn ich aber mit einem großen Koffer reise, habe ich keine andere Möglichkeit, als meinen Koffer neben mich zu stellen. Auf die Hutablage passt er nicht und wäre auch zu schwer. Andere Räume dafür gibt es nicht, auch zwischen die rücken an rücken gebauten Sitze passt er nicht. Jetzt kann ich mich entscheiden, den Platz neben mir zu blockieren oder den Koffer im Gang zu lassen und festzuhalten. Dann kommt aber niemand mehr durch. Von den Schaffnern wurde mir mehrfach gesagt, ich solle lieber den Platz neben mir blockieren. Natürlich gibt es da von anderen Fahrgästen Gemecker, aber da ich nichts für die Bauweise der Waggons kann und ich den großen Koffer aber brauche, ist mir das recht egal. Ich versuche, freundlich zu erklären, weshalb der Koffer den zweiten Platz blockiert, aber wenn jemand das nicht verstehen will, hat er Pech. Sowieso meide ich Stoßzeiten und versuche, weniger frequentierte Züge zu nehmen. Manchmal hat man aber keine Chance. 

Hier ist die Sache aber eine andere, das sehe ich wie lerato. Wer deine Beiträge nicht lesen mag, ist nicht dazu gezwungen. Diese Seite lebt von der Vielfalt der Mitglieder. Wem was nicht passt,  kann einfach ignorieren. Natürlich gibt es ein paar passionierte Meckerer und Meckerinnen, aber gegen die ist eh kein Kraut gewachsen. Da hilft nur, sie nicht ernst zu nehmen und innerlich die Nase zu rümpfen. Manche können halt nicht anders, als die Deppin rauszuhängen. 

Und natürlich gibt es auch solche, die nicht gewohnheitsmäßig meckern, aber mit denen halt im Einzelfall die Chemie nicht stimmt und die sich deswegen nicht allen gegenüber negativ äußern, sondern nur wenigen. Die bewerte ich persönlich anders, die nehme ich durchaus ernst, aber beziehe ihre Kritik nicht auf mich persönlich, sondern gestehe ihnen zu, dass sie halt mit mir persönlich nicht klarkommen. Es kann halt einfach nicht jeder mit jedem. 

Zu deiner Frage: Ich schenke gerne, ich nehme Geschenke gerne an und lehne sie auch genauso gerne ab, wenn es Gründe dafür gibt. zwinkerndes Smiley
 
Nordroller 16.11.2025 10:42
Bedürfnisse und Geschenke

Ich rufe heute morgen nur mit halber Lust HL auf und die Blog Seite auf. Ein oder zwei Hände voll der Blogs sind leider wieder flach und ohne Aussagekraft, oder Sie kitzeln mich einfach nicht.

Dann sehe ich den Blog von dir Vroni wie einen kleinen Lichtschein! 

Schreibe bitte weiterhin deine eigenen Worte und springe bitte bitte nicht mit auf dem Zug der Belanglosigkeit!!!
 
Maria57 16.11.2025 11:19
Ich möchte meinen Hausstand verkleinern + somit keine Geschenke mehr erhalten. 

Aber ab + an packe ich gern Geschenkchen für andere ein.
 
DickeElfe 16.11.2025 12:16
Ich wäre meistens gerne unsichtbar, aber nicht immer kann und will ich die Klappe halten. Ich liebe es Geschenke zu besorgen, schon das nachdenken davor, einzupacken und zu schenken und ich finde es ganz furchtbar, welche zu bekommen. Ich hab das Gefühl, ich bin dann zu sichtbar und es sowieso nicht wert. Manchmal, wenn ich jemanden gut kenne, dann freu ich mich allerdings dumm und dämlich und lache ganz viel vor Freude.
 
Zenaida 16.11.2025 13:11
„Ich hab das Gefühl, ich bin dann zu sichtbar und es sowieso nicht wert.“

Elfe, dann darfst du einfach dem Schenkenden vertrauen, dass du es ihm/ihr wert bist, dir ein Geschenk gemacht zu haben. lachendes Smiley
 
DickeElfe 16.11.2025 13:14
Dankeschön, Zenaida.
 
vrono 16.11.2025 14:40
Elfe… das kenne ich soooo gut!!! Da kann ich so mitgehen. Glaube das liegt an Ähnlichkeiten in unserer Vergangenheit. 
Ich hatte bereits eine Auseinandersetzung mit einem „Schenkenden“ deshalb. Ich brauche Vertrauen und Bildung, um ein Geschenk annehmen zu können. 
Das hat Gründe, die logisch sind, wenn ich sie erkläre. Einer davon ist mein Vater „Du bist es nicht wert, dass man dir etwas Gutes tut, das machen Menschen nur, wenn sie im Gegenzug etwas von dir wollen“. Ein kleines Kind speichert diese Erziehung ab - Erziehung kann manchmal auch wie eine Einschränkung sein bzw. sich so auswirken, da man anerzogene Dinge sehr schwer  durchschaut oder solche Muster gar durchbrechen könnte. Obwohl ich weiß, dass das nicht stimmt, dass ich nichts verdiene, ist das Gefühl da. 
Ich habe immer sehr gerne geschenkt und frage nach, ob es erwünscht ist. Aktuell schaffe ich es vielleicht noch einem Menschen eine Freude zu machen durch ein Geschenk, weil ich immer selbst bastle/anfertige und dazu mittlerweile die Energie fehlt.
 
vrono 16.11.2025 14:56
Danke Nordroller für deine fein gewählten Worte. 
Wenn ich schreibe mache ich mich verletzlich und zweifle. Manchmal überwiegt das der Freude, es trotzdem zu tun. Manchmal braucht es Monate, bis ich es wieder kann. 

Heute Nacht ging es mir so hundeelend, dass ich es schier „musste“ für mich. Kein Krisendienst, keine Telefonseelsorge, die erreichbar war. Dafür habe ich die ganze Nacht geschrieben.. ein Auszug davon steht hier. 

Mir geht es in anderen Blogs so, dass ich die Menschen dahinter glaube zu verstehen, weil es ein Gefühl der Gemeinschaft erzeugt, wenn man sich mitteilt, was man kocht oder sich zum fiktiven Kaffee einlädt. Das ist eine schöne Sache, die leider für mich nicht funktioniert… mich triggern die meisten Diskussionen hier so wie andere Leute triggern würde, wenn sie hier über „unschöne“ Dinge lesen. Es ist für mich paradox. Das ist bei sehr wenigen Menschen so. 

Der Begriff „Trigger“ bedeutet für mich allerdings im wortwörtlichen Sinn den Begriff aus der Psychologie. Wenn ich angetriggert bin, hat das nämlich Konsequenzen (Fieber, Schüttelfrost, Gedächtnislücken und dergleichen). Daher lese ich viele dieser Blogs, die für andere angenehm erscheinen nicht. 
Ich versuche Blogs einzustellen, die wiederum für andere Personen OK sind, und wenn sie das nicht sind, „überlesen“ werden können. Gerne würde ich meine dunkle Seite hervorholen, doch das wäre hier unangebracht - aber vielleicht findet sich in diesem Regenboden an Menschen, die hier zusammenkommen ja auch jemand, dem es ähnlich geht.. 

Zwei oder drei hier durfte ich durch mein Anecken schon kennenlernen - was mir ein großes Geschenk ist. Man ist nämlich nicht allein mit seiner Andersartigkeit.. und vielleicht ist man gar nicht so anders, als es einem manchmal vermittelt wird. 

Ich schweife ab.. ..Mach ich eh immer. Ne Prise AD(H)S vielleicht.. aber egal - neurodivers auf jeden Fall.. wie genau verstehe ich selbst noch nicht ganz. Als „Neubehinderter“ (nicht abwertend gemeint, mir fehlt nur ein Wort) lernt man ja ständig dazu…
 
Haferflocken 16.11.2025 15:30
Vrono, Bedürfnisse sind kein statisches Gleichgewicht, sondern ein dynamisches Pulsieren, wie der Herzschlag, der ohne Höhen und Tiefen bedeutungslos wäre.
 
Benni8811 16.11.2025 15:54
Dein Text zu Eingang ist richtig schön!

Schreib einfach, mach einfach, niemand muss das lesen!

Wer dann liest und doch meckert, ist selber schuld! Nicht deine Schuld!

Für mein empfinden, deine Texte sind zum Teil eine große Bereicherung für diese Seite!
 
vrono 16.11.2025 15:58
Fetzi - ich habe gestern den Film „Flow“ gesehen. 

Ein Animationsfilm, der komplett ohne Worte auskommt und Welten alleine durch die Körpersprache von Tieren und Situationen aufspannt. 
Es werden spielerisch und mit viel Feingefühl schwierige Gefühlslagen und Erlebnisse mit rotem Fasen aneinandergereiht, wenn…
…die Krise einer Welt, die „herrlichschön“ im einen Moment und „schaurigschön“ im nächsten an eine Naturkatastrophe denken lässt…
 eine Gruppe von unterschiedlichen Tieren über den Zufall als Schmied zusammenbringt. 
Dabei werden tief schürfende Themen mit einer Leichtigkeit des „Flows“ (im Titel - sich treiben lassen) verknüpft, die bei mir Faszination auslöste. 

(Disney, YouTube Google Play Amazon oder Apple TV bieten diesen Film an) Ich musste an dich denken, weil du wie ich auch ein feinfühliger, „harmoniebegeisterter“ Mensch bist. Es geht unter anderem auch darum, dass man eine Gruppe und Gemeinschaft braucht, auch wenn es manchmal schwer ist im Umgang miteinander und darum, dass man sich manchmal langsam annähern und verstehen lernen muss, um für einander da zu sein. Dabei ist einer der Gruppe polterig, einer ängstlich zurückhaltend… das ganze Spektrum an Menschlichkeit eben verpackt in wunderschöne Tiere mit teilweise auch tierischen Verhaltensweisen und tierischer Körpersprache.
 
Susisorglos 16.11.2025 16:12
Merkwürdiger Weise kann ich vrono verstehen und kann ihr Dilemma nachvollziehen 🥺
 
vrono 16.11.2025 16:48
Ich habe am Freitag auf dem Weg zum Arzt einen Obdachlosen gesehen - völlig wirr und gestikulierend und mit sich selbst redend. Als Kind hätte ich Angst gehabt, weil ich es nicht verstanden hätte. 

Ich habe gelesen, dass manche Störungen auch mit sozioökonomischem Hintergrund kausal zusammenhängen - logisch, doch wann denkt man drüber nach? - reichen Leuten, die ein gesundes soziales Umfeld haben, passiert das seeehr viel seltener…

…ohne Überbrückungshilfe von ebenfalls erkrankten Menschen in meine aktuell stabile sichere finanzielle Lage hätte das ich sein können. 
Sich von dem Punkt zu erholen, an dem dieser vermutlich hilflose, verwahrloste, obdachlose Mensch steht ist sehr schwierig und komplex und schwieriger, je tiefer der Fall nach unten war und je komplexer die Baustellen werden. Kein Kind startet so ins Leben…je tiefer der Fall, desto wahrscheinlicher werden die Möglichkeiten, noch tiefer zu fallen. 

Das macht Angst.
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