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5 Dinge….

5 Dinge….
… die Sterbende am meisten bedauern…

In meinem letzten thread ging es um die Arbeit und wie man sie gestaltet bzw. wie viel man bereit ist, für einen sicheren Job auf sich zu nehmen. Die Diskussion, die da entstand, hat mich wieder mal zu folgendem Thema geführt:

Ich hab mal ein Praktikum im Hospiz gemacht, da war die Sinnfrage natürlich virulent. Ich hatte damals das Gefühl, mich, bevor es wirklich akut würde in meinem Leben, mich mit dem Thema „Sterben“ beschäftigen zu wollen. Natürlich geht es da recht schnell eigentlich um das Thema „Leben“. Wie gestalte ich mein Leben sinnvoll und so, dass ich dann, auf dem Sterbebett, möglichst nichts bereuen muss?

Da ist mir auch das Buch „5 Dinge, die Sterbende bereuen“ von Bronnie Ware begegnet. Die Palliativschwester hat in vielen Gesprächen herausgefunden, dass Menschen an ihrem jeweiligen Lebensende diese 5 Themen am meisten bereuen:

„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben"

“Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet"

"Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken"

"Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten"

"Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein"

Natürlich aber gibt es auch Menschen, die mit keinem dieser Themen hadern, die ihr Leben so gelebt haben, dass sie am Ende glücklich sind und auch meist recht zufrieden sterben können.

Wie ist das bei euch? Wenn dies euer letzter Monat wäre, hättet ihr das Gefühl, etwas wichtiges verpasst zu haben? Oder habt ihr euch ausgelebt? Eure eigenen Vorstellungen gelebt?

Kommentare

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PeterBlack 03.01.2026 18:05
Ich bereue nicht die Dinge die ich  gemacht habe, 
Sondern die, die ich nicht gemacht habe
 
Thohom 03.01.2026 18:08
"Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten"

Das passt für mich nicht, Freundschaft ist keine Einbahnstraße für mich und wenn es Freunde wären und ich wichtig für diese Leute wäre, hätten die nach mir geschaut.
 
mwc89 03.01.2026 18:12
Ja mit den Themen ist schwierig 
Aber aus welchem Perspektive 
Sollen wir uns den vergangen heit in Frage stellen? 
Rückschau ist einfach.

Vielleicht weil in der Zukunft zu schauen 
Nicht möglich ist 

Ich habe soweit den akzeptiert das meine
Vergangen heit  mich geformt und fördert 
Weder noch was ich in den lagen den zu gestalten.
Ich Versuch es best raus zu machen 
Ich schaue nicht auf was ich nicht erreichen habe aber das was ich erschaffen habe.
 
PeterBlack 03.01.2026 18:14
Gefällt mir 👍
 
(Nutzer gelöscht) 03.01.2026 18:27
Das W Lösch mal bitte. Einer der letzten Sätze meiner Frau eine Woche war: Wir hatten ein schönes Leben, war nicht immer einfach aber haben es gepackt. Das Einzige was ich bedauer ist, nicht öfter zum Arzt gegangen zu sein. Sie ist immer noch zur Arbeit gegangen, solange es irgendwie ging.
 
Eine Woche später war es vorbei.
 
Zenaida 03.01.2026 18:30
„wenn es Freunde wären und ich wichtig für diese Leute wäre, hätten die nach mir geschaut.“

Thohom, es kann auch umgekehrt gehen. Ich habe eine Freundin, die ich regelmäßig kontaktiere und ihr auf die Mailbox spreche. Sie reagiert sehr selten, geht kaum ans Telefon und ruft sehr selten zurück. Für mich ist das in Ordnung, ich nehme so was nicht krumm, wenn ich weiß, woher das kommt. Sie ist mit ihrem Alltag schon oft genug überfordert und hat dann keine Kapazitäten, zu reden. Aber es gibt auch Freunde, sie dich von ihr angewandt haben, mit eben diesem Argument, dass Freundschaft keine Einbahnstraße ist und sie nicht jahrelang ihr hinterherlaufen. Ich hab da mehr Durchhaltevermögen und kenne auch dieses „Aufrechnen“ nicht. 

Ich fände es schlimm, wenn diese Freundin später bereuen würde, ihre Freundschaften nicht gepflegt zu haben. 

Übrigens sind es oft Männer, die ihre Kontakte aus Jugendzeiten einschlafen lassen. Mein Papa hatte bis zum Ruhestand bzw bis diese verstarben noch zwei enge Freunde aus der Schulzeit, meine Mama mindestens 20.
 
(Nutzer gelöscht) 03.01.2026 18:39
Mit meinem besten Freund aus Grundschulzeiten habe ich nach über 60 Jahren immer noch Kontakt. Hätten wir nicht Schwestern geheiratet würde das vermutlich anders aussehen. Bei mir sind es auch 2. Allerdings bei den Freundschaften meiner Frau waren keine aus der Schulzeit dabei. Lediglich welche von der Arbeitsstelle und mit zu zweien halte ich lockeren Kontakt.
 
Zenaida 03.01.2026 18:43
Mac, die Frage ist, ob du, wenn du in einem Monat sterben müsstest und das jetzt wüsstest, das Gefühl hättest, dass du irgendwas bereust.
 
Zenaida 03.01.2026 18:44
Mac = mwc
 
(Nutzer gelöscht) 03.01.2026 18:45
Ich gestehe ich nie Interesse an Kontakten zu meinen Mitschüler:innen. Und wenn ich heute mal zum Friedhof gehe und mir so die verschiedenen Gräber ansehe, es werden immer mehr deren Namen man noch kennt.
 
BrokenByDesign 03.01.2026 18:46
Thohom, man kann Freundschaften aber auch von sich aus aufgeben. Da muss es gar nicht unbedingt einen  großen Konflikt geben. Kleine Zwistigkeiten, man bemüht sich irgendwann vielleicht einfach nicht mehr genug um den Kontakt, lässt ihn im Sande verlaufen. Diese Leichtfertigkeit kann man schon irgendwann bereuen. 

Wie du sagst: Freundschaft ist keine Einbahnstraße. Das gilt allerdings für beide Richtungen.
 
Thohom 03.01.2026 18:50
Zenaida.... wenn man sich nicht rührt, dann ist das eine einseitige Freundschaft. 

Ich kenne das aus meiner depressiven Zeit, da war ich kein Freund und meine wenigen Freunde hatten irgendwann auch keine Lust mehr.

Wenn eine Seite eine Freundschaft nicht mehr pflegt, dann ist das keine Freundschaft für mich.

Also wenn man schon was auf dem Sterbebett bereuen will, dann m.E., dass man seine Freundschaften nicht besser gepflegt hat, wobei das das eigene Angebot ist. Wenn der andere nicht mehr will, dann kann man pflegen, bis man schwarz wird.
 
(Nutzer gelöscht) 03.01.2026 18:56
Ich denke , dass es schwierig ist, das generell so zu sagen bzw. etwas bestimmtes zu benennen. Das Leben wird gelebt, mal bewusster mal unbewusster. Letztlich passieren oft Dinge , die man nicht unbedingt beeeinflussen kann. Das eigene Leben bewusst leben , ist oft aufgrund von wiedrigen Bedingungen nicht so ganz möglich. Wie oft fragt man sich, ob man glücklich ist , erst dann wenn man gefühlt schon ziemlich unglücklich ist ...Freunden gibt man , hilft man ,ist fuer sie da , das alles ist kein Garant dafür , dass diese das genauso sehen und ihnen genau so viel an einem liegt...Freundschaft lässt sich auch nicht erzwingen , fortsetzen ,wenn nur einer Seite daran wirklich liegt.
Und Gefühle zeigen kann im schlechtesten Fall auch für einen selbst nachteilig sein, weil man ausgenutzt wird...
Ich finde , man sollte selbst immer wieder in sich gehen , darauf achten ,dass es einem gut geht , man muss ja nicht immer glücklich sein, funktioniert eh nicht dauerhaft, aber man sollte sich mehr auf sich selbst besinnen und auf sich aufpassen ,nicht zum egoisten mutieren ,aber achtsam mit sich selbst sein ..erstmal.
 
vrono 03.01.2026 18:57
Meine Freundin kommt nun nach ein einhalb Jahren sehr langsam zurück.. 
Monate vergingen ohne Austausch - wegen gemeinsam erlebter traumatischer Ereignisse… zuvor hatten wir uns jeden Tag über Stunden in der Strippe.. 

Aber es wird.
 
piepek 03.01.2026 18:59
Ich hätte da eine Sachen, die mir auf der Seele brennt.
Eine Frau, die ich sehr geliebt habe, die aber hörig zu ihrem damaligen devotem Partner war, dass in iher Angst um mich, nichts daraus geworden ist.
Ich hätte konsequenter und selbstbewusster sein müssen.
Ist 15 Jahre her, kommt aber immer wieder mal hoch, wenn ich hier so einige Beiträge lese.
Das wäre eine Sache, die ich bedauern würde, auf 5 Dinge komme ich wohl nicht.
 
vrono 03.01.2026 18:59
Ich bin jetzt an diesen fünf Punkten dran.. habe keinen bisher erfüllen können - aber es lag bisher nicht an mir - daher bleibe ich mir optimistisch.. 

Habe auch eine künstlerische Soundarbeit zu diesem Thema entwickelt - stundenlange Monologe mit Menschen aus einem Seniorenstift.. war sehr beeindruckend und bewegend.
 
Zenaida 03.01.2026 19:04
„Wie oft fragt man sich, ob man glücklich ist , erst dann wenn man gefühlt schon ziemlich unglücklich ist ..“

Hm, Mohnblume, ich erlebe das nicht so. Ich überlege sehr oft, ob ich zufrieden bin, ob ich was ändern möchte… Ich hab das auch mit meinem Kind als häufiges Ritual gepflegt, abends darüber zu sprechen, was toll war an diesem Tag und wo es schwierig war. Meist haben wir dann festgestellt, dass es uns unterm Strich sehr gut ging. Wir hatten uns und wir hatten Freunde und Familie usw. Ich finde das enorm wichtig zur Positionierung und Verortung, so dass man Unpassendes frühzeitig merkt und früh nachjustieren kann.
 
Indien 03.01.2026 19:14
freundschaft ist wichtig!der echte freundschaft kennt kann sich glücklich breisen
 
Hulda 03.01.2026 19:24
Wie ist das bei euch? Wenn dies euer letzter Monat wäre, hättet ihr das Gefühl, etwas wichtiges verpasst zu haben? Oder habt ihr euch ausgelebt? Eure eigenen Vorstellungen gelebt?


Ja das Gefühl habe ich, etwas wichtiges verpasst zu haben. Nämlich eine ernsthafte Beziehung zu einem Partner. Ich möchte daraufhin 'arbeiten', stelle nur fest, dass das für mich nicht einfach ist/wird.

Und ich hoffe das dies nicht mein letzter Monat sein wird 

Ich habe Vorstellungen gelebt, die nie in meiner Realität existiert haben, nur manchmal in meinen Träumen - Paradox -
 
Zenaida 03.01.2026 19:27
Hulda, das wünsche ich dir sehr, dass du eine „ernsthafte Beziehung“ findest. Es ist nie zu spät. 😉

Wie meinst Du Deinen letzten Satz, wenn ich fragen darf? Du hast manche Dinge nicht in der Realität ausgelebt, sondern nur in Träumen? Was hat den Sprung in die tealitöt verhindert?
 
Hulda 03.01.2026 19:31
Ich mag den Satz 'es ist nie zu spät' danke zenaida 🤗

Ich habe Dinge gelebt, die ich früher nur in meinen Träumen hatte und dann in die  Realität umgesetzt habe. Ist es so besser verständlich?
 
Zenaida 03.01.2026 19:34
Ich finde die Beschäftigung mir diesen 5 Fragen beizeiten sehr hilfreich. Denn erst wenn es wirklich der letzte Lebensmonat ist, ist es für vieles zu spät. 

Wenn man merkt, dass man die Vorstellungen der Eltern oder anderer Menschen lebt, die mit den eigenen Sehnsüchten nichts zu tun haben, kann man sich sukzessive umorientieren. Gut, man wird mit 30 oder älter keine Primaballerina mehr oder Orchestergeiger, da mögen die Wünsche noch so groß sein. Aber meist hat man ja nicht nur einen Wunsch. Und evt hilft allein schon, sich bewusst zu machen, dass man sein Leben fremden Wünschen untergeordnet hat. Solche Dinge zu verdrängen und dann auf dem Sterbebett damit konfrontiert zu werden, ist vermutlich ungesünder für die eigene Seele.
 
Violetta 03.01.2026 20:14
Wenn es wirklich der letzte Monat wäre hätte ich bestimmt auch Angst .Was ich bereuen würde ist es glaube ich das ich mich ständig Hinter Fragen tu ob ich es so richtig gemacht habe.Ich denke auch sehr viel über alles nach und weiß nicht ob es gut ist Ich kenne eher Leute die sehr spontan sind manchmal kann ich es manchmal auch nicht.Was mir in Moment eher fehlt ist wenn Freundschaften auch auseinander gehen und man gegenseitig merkt das man sich nicht mehr so wichtig ist nach vielen Jahren finde ich das Schade weil Freundschaft mit sehr wichtig ist .Ich hoffe ich habe es verständlich geschrieben könnte es jetzt nicht besser Ausdrücken
 
(Nutzer gelöscht) 03.01.2026 21:49
Um es mal auf den Punkt zu bringen: Ich bereue nichts, hatte ein relativ gutes Leben von den diversen gesundheitlichen Problemen mal abgesehen, was solls. Es ist wie es ist. Weit über 30 Jahre mit einer wunderbaren Frau, 2 Kindern, die sich super entwickelt haben. Nochmal eine Beziehung? Warum nicht? Wenn nicht ist auch gut. 

Wach ich eines morgens mal nicht mehr auf? Ich bin der letzte, der sich beschweren würde. Meine Bestattung ist schließlich auch schon geregelt.
 
Mirka 03.01.2026 23:41
Ich denke das ein Mensch, der ein gutes erfülltes Leben hatte sich solche Fragen nicht stellt.
Ich habe vor einigen Tagen eine sehr gute Freundin verloren,mit der ich mich aufgrund ihres Sprachverlustes nur noch schriftlich verståndigen konnte.
Wir haben sehr ausführlich geschrieben ,von ihr kam in ihren letzten Tagen immer die Frage....WARUM
Das sagt mir eigentlich alles!!
 
Zenaida 04.01.2026 00:25
Ach Mirka, das tut mir sehr, sehr leid mit deiner Freundin! Ich hoffe, du hast Freunde oder andere Zugehörige dieser Freundin, mit denen du trauern kannst. Es hi,ft oft, damit nicht allein zu sein. 🤗

Du hast recht, wer ein zufriedenes und erfülltes Leben hatte, äußert solche Dinge nicht. Er bereut ja auch nichts. Aber es gibt eben leider viele Menschen, die am Ende ihres Lebens auf ihre Verluste und Versäumnisse zu sprechen kommen. Und es gibt auch viele Menschen, die dann noch letzte Dinge klären wollen, Streitigkeiten aus dem Weg räumen oder lange gehütete Geheimnisse aufdecken. Ich hab das damals öfter miterlebt….
 
Haferflocken 04.01.2026 00:42
Es gibt echt Menschen, die diese ganzen tiefen Fragen, wie du sie beschrieben hast,  nie wirklich fühlen oder durchleben, nicht im echten Leben, nicht im alltäglichen Scheißdrama. Die rennen einfach durch ihr Leben, stumpf, ohne Überlegungen, ohne den Kopf zu zerbrechen. Und dann, wenn das Ende näher rückt, wenn alles runterfährt und keiner mehr ausweicht, da kommen diese Fragen auf einmal hoch, das große Vermissen, das ungelebte Sehnen, all die verpassten Chancen. Das ist dann oft zu spät, und weißt du, das ist verdammt traurig. Weil du die Arbeit, die das Leben eigentlich verlangt, nicht vor dir herschieben kannst bis zum Schluss. Die Wahrheit ist für mich, je länger du sie ignorierst, desto heftiger schlagen sie zurück, diese Fragen, und dann sitzt du da, allein mit dem, was hätte sein können.
 
Zenaida 04.01.2026 01:35
Haferflocken, denk daran, es ist nie zu spät! 

Ich hatte mal eine sehr schöne Begegnung auf finya. Wir haben uns nie gesehen, aber viel geschrieben. Dieser Mann hat mich nachhaltig beeindruckt. Er erzählte mir davon, wie er seine sterbenskranke Frau begleitet hat. Ihr Sterben dauerte mehrere Monate und es gab ein gemeinsames, kleines Kind. Die beiden waren noch sehr jung. Wie eindrücklich er mir beschrieben hat, wie nah sie sich gekommen sind in diesen letzten Wochen. Eben dies, „wenn alles runterfährt und keiner mehr ausweicht“, wenn alle Hüllen fallen gelassen werden, es keine Grenze mehr gibt zwischen zu früh oder zu spät… wenn es kein Tabu mehr gibt, keine Scham und keine Angst voreinander…. Wenn alles andere egal wird…. Wenn der wahre Kern eines Menschen zutage tritt…. 

Dieser Mann war so unendlich schön in seiner Anschauung, in dem, wie er diese Momente sich und ihr zu leben (zu)getraut hat und sich ganz und in aller purheit und Nacktheit gezeigt und sie gesehen hat… Und mir viel später davon gesprochen hat und mir versichert, sich und seine Geschichte bei mir gut aufgehoben zu wissen… Wenn die eigene vulnerabilität absolut wird und man sie gleichzeitig vom anderen beschützt weiß und fühlt…. 

Das ist mir gerade so eingefallen dazu….
 
Zenaida 04.01.2026 02:34
Piepek, was ist denn aus der Frau geworden? Kannst du sie nicht heute nochmal kontaktieren?
 
CookieJulez 04.01.2026 06:37
Ich würde sagen, ich bereue bislang nichts.
 
CookieJulez 04.01.2026 06:39
 
vrono 04.01.2026 06:58
Ich bereue nichts in meinem Leben wirklich, da es mir eine große Lehrmeisterin war. So unsäglich es mir an vielen Stellen auch mitgespielt hat - so echt war es im Negativen wie in allem, was das Leben zu bieten haben kann auch. Es ist großartig und viel und flüchtig - und man krallt sich an allem fest, was es einem lebenswert macht.

Ich war immer so nah dran am Leben - so nah, dass ich fast mitleben konnte - im Geist tat ich es gewiss -  auch wenn Jahre an mir vorüberzogen ohne, dass ich die Möglichkeiten hatte, wirklich teilzuhaben - von Erlösung träumend - 
was mich das Leben gelehrt hat ist, dass ich weiß, wie man lebt - wie man so viel lebt im Jetzt, dass alles, was mir zu diesem tiefen Verständnis beitrug, seine Berechtigung hat. 

Sollte ich wieder nahe herankommen, zu leben - ich ergreife jeden Moment, da ich genau vor Augen habe, was es mir bedeutet so zu leben - so intensiv und unverfälscht echt - es ist wie ein Rausch und von für andere oft nichtige Unwichtigkeiten zehre ich über Jahre.. Bereicherungen, die einem das Leben anreichern, während einen die Zeit mitnimmt. 

Am Dienstag ist es wieder so weit..
 
Thohom 04.01.2026 10:01
Ich finde die Vorstellung gruselig, dass ich kurz vor dem Ableben noch irgendwas bereue.
Dieses ewige Zweifeln ob ich etwas nicht hätte anders machen sollen, wäre auch schon durch mein ganzes Leben gegangen.
Zeitweise haben diese Selbstzweifel mein Leben beherrscht. Es war keine schöne Zeit und ich bin froh, dass es mit dieser Beherrschung vorbei ist. Natürlich reflektiere ich, was ich mache, aber das ist eher, um daraus zu lernen.

Wenn ich sterbe, wünsche ich mir jemanden, der meine Hand hält, mich berührt. Mein Ziel ist es zufrieden zu sterben.
 
(Nutzer gelöscht) 04.01.2026 10:15
Ich bin gerade dabei, Frieden mit mir zu schließen. Für all das, was ich heute besser weiß und früher eben nicht anders gekonnt habe. Für meine Fehler. Meine Versäumnisse. Und meine Schattenseiten anzunehmen und zu integrieren.

Es gibt wahrscheinlich immer etwas, was man hätte anders machen können. Aber hätte man es dann nicht  auch gemacht? 

Für mich ist der Weg des Annehmens, der einzige, um in Frieden gehen zu können.
 
(Nutzer gelöscht) 04.01.2026 12:31
Wenn ich nur noch einen Monat leben würde, möchte ich meine letzte Energie nicht durch Nachdenken und Grübeleien verbrauchen.

Letztendlich auch, weil ich bis dato ein erfülltes Leben geführt habe. 

In den letzten Stunden möchte ich gern bei meiner Familie sein.
Für mich ein Segen.
 
Zenaida 04.01.2026 13:23
Es ist nicht so, dass diese Themen künstlich abgefragt wurden und jeder sich da einordnen sollte, wo er was bedauert. Die Autorin dieses Buches hat sich mit unzähligen Sterbenden unterhalten, wie das halt auf palliativstationen und in Hospizen so ist. Und diese 5 Themen waren die häufigsten, die sterbende von sich aus angesprochen haben. Natürlich gab es auch noch andere Themen, individuellere. Was mir ab und zu begegnet ist damals, war der Wunsch, sich auf den letzten Metern des Lebens noch mit bestimmten menschen aussöhnen zu wollen. Ein jahrelanger streit zwischen Geschwistern oder mit einem kind oder mit der ex-Partnerin…. Wenn ein Sterbender den Wunsch geäußert hat, und zwar nachhaltig, sich mit einem menschen aussöhnen zu wollen, haben wir versucht, den Kontakt herzustellen. Manchmal hat es funktioniert - und es war unglaublich, wie sichtbar diese schwere Last von diesem Menschen dann abgefallen ist. Manchmal hingegen hat es auch nicht geklappt, weil das betreffende Gegenüber sich geweigert hat oder nicht ausfindig zu machen war. Das ist dann halt das Leben, dann haben wir versucht, dem sterbenden irgendwie anders frieden zu bringen. 

Diese 5 Themen sind lediglich eine Anregung, das eigene Leben zu einem Zeitpunkt zu überdenken, wo ein Richtungswechsel noch gut möglich ist. DAMIT man dann später eben nichts zu bereuen hat. Und wenn der Richtungswechsel nicht mehr möglich ist (z.b. ist es für 60 jährige meist schwierig, plötzlich doch noch die Familienplanung neu zu überdenken und Kinder in die Welt zu setzen), so doch die Auseinandersetzung und Aussöhnung mit der damaligen ENtscheidung oder dem eigenen Schicksal, ungewollt kinderlos zu sein. Wenn man das, was nich so gut gelaufen ist, integriert, dann bauscht es sich nicht zu einer schwarzen Wolke auf, die da beständig über dem eigenen Leben hängt und auf der Zielgeraden zu regnen beginnt.
 
Thohom 04.01.2026 13:36
Sterbend ist man für mich, wenn das Leben verschwindet. Also ein relativ kurzer Zeitraum.

Ein Hospiz ist für mich eine andere Situation. "Das ist meine letzte Wohnung" ist ein Satz aus dem Filmdrama "Blaubeerblau", aber es dauert meist noch und es vereinfacht gesagt: eine Pallativstation in schöner.

Ich habe mal ein paar Stunden in einem Hospiz in Detmold verbracht und wurde von freiwilligen Helfern auch aufgefangen, als ich fertig war. Ich saß da auch mit fröhlichen Menschen am Tisch, die dort wohnten, weil sie dort einfach gut für ihre letzten Wochen versorgt werden konnten.

Diese Menschen hätten sicher noch was erledigen können, was sie immer aufgeschoben hatten, aber wenn es wirklich um die Letzten Stunden geht, sollte man seinen Frieden mit sich gemacht haben.
 
Zenaida 04.01.2026 13:50
Das ist so unterschiedlich, thohom. Manche sind im Hospiz und verdrängen immer noch, was sie eigentlich belastet. Ers auf den allerletzten Metern rücken sie damit raus, wenn es wirklich nicht mehr anders geht. Andere sprechen nie darüber, aber man merkt, dass es etwas gibt, was sie sehr belastet. Am schönsten war es mit und bei Menschen, die ihr leben glücklich gelebt hatten und nichts bereuen mussten. Oder die eben schon vorher Frieden damit geschlossen hatten.
 
Thohom 04.01.2026 16:45
Im Umkehrschluss haben die Leute, die kurz vor Toresschluss noch was regeln müssen, sich in ihrem ganzen Leben vorher verleugnet, wenn es um die eigenen Wünsche/Bedürfnisse geht?

Oder hängt das mit der Erbsünde aus der katholischen Kirche zusammen, dass man noch für gutes Karma sorgen will? Also ohne Extraballast in in Himmel fahren?
 
EinedieserSteine 04.01.2026 17:16
Man weiß nie, wie man dann wirklich reagiert.
 
Thohom 04.01.2026 17:33
Mein Plan ist: Gut, nun ist es vorbei. Es war spannend und schön. Macht es gut.

Mal schauen, ob ich das so hinbekomme.
 
Zenaida 04.01.2026 18:02
Thohom, ich würde sagen, wer bis zum Schluss wartet, wichtige Angelegenheiten zu regeln, hat halt seinen Job nicht gemacht, sein Feld nicht bestellt oder wie man das nennen möchte. 

Bei uns gab es schon von Kindesbeinen die Regel, dass man nicht im Streit auseinander geht und nicht im Streit schlafen geht. „Wer weiß, ob alle wieder gesund aufwachen und dann würde man das bereuen, nicht die Dinge geklärt zu haben.“ war das Credo meiner Oma und auch meiner Eltern. Nicht immer haben wir das als Jugendliche so hinbekommen, natürlich ist da auch mal jemand wütend aus dem Haus gestürmt und aufs Fahrrad gestiegen. Aber insgesamt ja, schlimme Streitigkeiten gab und gibt es in der engsten Familie nicht. Gut, jetzt, im hohen Alter, wird die Tante recht sonderbar und haut uns alle möglichen wilden Ideen und vorwürfe um die Ohren, aber das kann man einordnen.
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