Blog around the clock

Dieser Blog wird von Berliner79 moderiert.


Was Sie vor Augen haben,
meine Damen und Herren,
dieses Gewimmel,
das sind Buchstaben.
Entschuldigen Sie.
Entschuldigen Sie.
Schwer zu entziffern, ich weiß, ich weiß,
Eine Zumutung.
Sie hätten es lieber audiovisuell,
digital und in Farbe.

Aber wem es wirklich ernst ist
mit virtual reality,
sagen wir mal:
Füllest wieder Busch und Tal,
oder: Einsamer nie
als im August, oder auch:
Die Nacht schwingt ihre Fahn,
der kommt mit wenig aus.

Sechsundzwanzig
dieser schwarz-weißen Tänzer,
ganz ohne Graphik-Display
und CD-ROM,
als Hardware ein Bleistiftstummel -
das ist alles.

Entschuldigen Sie.
Entschuldigen Sie bitte.
Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten.
Aber Sie wissen ja, wie das ist:
Manche verlernen es nie.

(Hans Magnus Enzensberger)


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"Ich liebe dich."

"Warum?"

"Du bist schwierig. Launisch, zynisch, verbittert, fett, dekadent, verdorben. Den ganzen Tag bleibst du im Bett, siehst dann die ganze Nacht fern, du polterst durch das Haus mit Schlaf in den Augen, rücksichtslos gegen jeden. Du leidest. Ich bete dich an."

"Nicht unbedingt logisch."

"Ist Liebe nie."

(aus Phaedras Liebe von Sarah Kane)


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15.06.2010 11:14

Malwieder ein interessanter Text wie ich finde, den man durchaus kontrovers diskutieren kann. Was meint Ihr dazu?:

"Ich will unter keinen Umständen ein Allerweltsmensch sein. Ich habe ein Recht darauf, aus dem Rahmen zu fallen, wenn ich es kann.
Ich wünsche mir Chancen, nicht Sicherheiten. Ich will kein ausgehaltener Bürger sein, gedemütigt und abgestumpft, weil der Staat für mich sorgt.
Ich will dem Risiko begegnen, mich nach etwas zu sehnen und es zu verwirklichen, Schiffbruch zu erleiden und Erfolg zu haben.
Ich lehne es ab, mir den eigenen Antrieb mit einem Trinkgeld abkaufen zu lassen. Lieber will ich den Schwierigkeiten des Lebens entgegentreten als ein gesichertes Dasein führen, lieber die gespannte Erregung des eigenen Erfolges als die dumpfe Ruhe Utopiens. Ich will weder meine Freiheit gegen Wohltaten hergeben noch meine Menschenwürde gegen milde Gaben. Ich habe gelernt, selbst für mich zu denken und zu handeln, der Welt gerade ins Gesicht zu sehen und zu bekennen, dies ist mein Werk."

(Albert Schweitzer)


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Diesen kleinen Auszug habe ich eben gefunden und fand ihn sehr beeeindruckend:

Das Streben nach Erkenntnis unterliegt einer endlosen Selbstrevision. Es gilt, Neues auszuprobieren, zu experimentieren und zu forschen, subjektive und objektive Konsequenzen zu testen, aus seinen Fehlern zu lernen, nichts für selbstverständlich zu halten, alles als provisorisch anzusehen und nichts als absolut gelten zu lassen. Wirklichkeit ist nichts Festes, in sich abgeschlossenes, sondern ein flüssiger, sich entfaltender Prozeß, ein "offenes Universum", das kontinuierlich von Handlungen und Vorstellungen beeinflußt und geformt wird. Wirklichkeit ist Möglichkeit, nicht Tatsache.Die Beziehung des Menschen zur Realität ist nicht die eines distanzierten Beobachters, der einem festen Objekt gegenübersteht; vielmehr ist der Mensch immer schon und notwendig ein Teil dieser Wirklichkeit. Er verändert sie und wird dabei von ihr verändert.

(aus: Richard Tarnas, "Idee und Leidenschaft" )


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