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Vom Wunsch gesehen zu werden

Vom Wunsch gesehen zu werden


Vom Wunsch gesehen zu werden

Ich stand da kurz, hab drauf geguckt und dachte erst, aha. Wieder so ein halber Satz, der sich wichtig fühlt. So ein typisches Ding, das irgendwo zwischen Kunst und Lebensweisheit rumhängt und erwartet, dass man kurz innehält und denkt "wow".

Und dann leider gemerkt... Mist, trifft.

Weil am Ende ist das genau das, was die meisten von uns irgendwie mit sich rumschleppen. Nicht dieses große, dramatische "alle sollen mich lieben", sondern dieses viel leisere Ding, einfach nicht übersehen werden. Nicht durchrutschen. Nicht einer von den Menschen sein, an denen alle vorbeilaufen, ohne auch nur kurz hängen zu bleiben.

Und gleichzeitig machen wir genau das jeden Tag selbst. Wir scrollen, wischen, gucken fünf Sekunden hin und entscheiden dann, ob jemand "relevant genug" ist, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Der Rest? Weg. Nächster.

Es ist schon irgendwie schräg. Jeder will gesehen werden, aber keiner hat wirklich Zeit, andere zu sehen. Also hängen wir alle in so einem merkwürdigen Zwischenzustand fest. Sichtbar genug, um nicht komplett zu verschwinden, aber auch nicht wirklich gemeint.

Und dann gibt es diese Momente, die so unspektakulär sind, dass sie fast schon peinlich wirken. Jemand hört dir wirklich zu. Schaut dich an, ohne nebenbei aufs Handy zu gucken. Merkt sich Dinge. Kein großes Kino, keine Lebensveränderung, einfach nur... du bist gerade nicht egal.

Und genau das knallt mehr rein als jeder große Auftritt. Vielleicht geht es gar nicht darum, ständig gesehen zu werden. Vielleicht reicht es schon, ab und zu wirklich gemeint zu sein. Von jemandem, der nicht nur hinguckt, sondern auch kapiert, dass da jemand steht.

Und der Rest?
Der kann ruhig weiter an uns vorbeilaufen.

Ich habe mir selber einige Gedanken gemacht und Fragen gestellt, die gebe ich einfach mal an euch weiter, wenn ihr mögt 

Wann hast du dich das letzte Mal wirklich gesehen gefühlt, nicht nur kurz wahrgenommen?

Was ist schlimmer, unsichtbar sein oder missverstanden werden?

Und wann hast du das letzte Mal jemanden wirklich gesehen, ohne ihn direkt einzuordnen?

Fühlst du dich öfter übersehen oder eher falsch gesehen?

Kommentare

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Brummsel 21.04.2026 18:14
Julchen, großes Thema eines jeden Menschen. Und ein schöner Einleitungstext! 
Ob bewusst oder unbewusst. Wir alle sind darauf angewiesen, wenigstens ab und zu mal wahrgenommen zu werden in unserem Wesen.
Aber genau so gehört es dazu, auch andere zu sehen. In Ihrer Gesamtheit und nicht nur mit den Augen.
Meist sehen wir jemanden und ordnen diesen automatish für uns ein. Ist menschlich. Aber auch wunderbar wenn wir fähig sind diesen ersten Eindruck auch wieder revidieren zu können und nicht daruf beharren. Manches ergibt sich erst nach längerer Zeit, manches bleibt beim allerersten Eindruck.😉
 
Brummsel 21.04.2026 18:30
Beim Missverstanden werden ergibt sich meist eine Möglichkeit das aufzuklären.
Unsichtbare Sichtbar machen ist schwieriger....
 
Sui 21.04.2026 18:32
Ehrlich gesagt finde ich Missverständnisse viel schlimmer als das Unsichtbarsein. 
Wenn mich keiner sieht, hab ich wenigstens meine Ruhe. 
Aber falsch gesehen zu werden, ist echt anstrengend – als müsste man ständig eine Rolle spielen, die gar nicht zu einem passt. 
Das raubt einem viel mehr Energie als einfach nur Schweigen.
 
Julchen89 21.04.2026 18:35
Dieses Einordnen passiert einfach automatisch. Aber genau das ist ja auch oft das Problem, weil man dabei vieles gar nicht wirklich sieht 😅
 
Neffi 21.04.2026 18:36
Ich bin gerne unsichtbar.
 
Brummsel 21.04.2026 18:38
Neffi, dich hört man eher...Rülps😉😅
 
Lionheart68 21.04.2026 18:44
Ich werde gesehen, manchmal sieht man mich nicht, aber sehe mal mehr oder weniger viel...
 
Thohom 21.04.2026 19:17
Ich fühle mich manchmal zu oft gesehen.... einfach, weil ich oft einen Kopf größer bin, wie das Umfeld. 
Ich wäre oft gern etwas unsichtbarer. Ich habe nicht den Drang nach Aufmerksamkeit, ich sitze gerne auf meinem Beobachtungsplatz und kommentiere. Bühne kann ich, aber ich reisse mich nicht darum. Waldorf & Stattler bei den Muppets haben auch ihren Balkon, das gefällt mir.

Ich registriere wer da ist und merke auch, wenn jemand fehlt.... also früher oder später. 😉

Ich zähle dann durch und frage nach bzw. gehe mal auf die Spur, wie ein Hütehund für meine ganz persönliche kleine Herde.
 
Nordroller 21.04.2026 19:28
Gesehen werden ist in der Natur des Menschen! Ich hatte mich schon bei der Arbeit aufgeregt "der will ja nur Aufmerksamkeit". 

Es gab zu dem Thema einiges an Experimenten, aus der dunklen Zeit  und Forschung.

Der richtige Hammer ist aber das Aufmerksamkeit nichts kostet undanche Leute denken dass eine begrenzte Ressource ist! Das ist schon fast verrückt.
 
FirstLevelLion 21.04.2026 19:32
@Julchenn89
Bin gerade bei den oben geschriebenen Worte und Gedanken baff (Die sind toll👍)

Ich versuche mal einigermaßen sinnvolle Worte und Sätze zu den Fragen dar zu lassen. 

Wann hast du dich das letzte Mal wirklich gesehen gefühlt, nicht nur kurz wahrgenommen?

Puh...Schwer. Wirklich gesehen deute ich jetzt mal als Person mit meinen Wesen nicht als den netten, hilfsbereiten IT-Guy (der ich bin) der halt "kein Männermodel" ist.

Von Freunden, sehr guten männlichen Arbeitskollegen und der Family werde ich schon so wirklich wahrgenommen. Von der Damenwelt eher der zweite Satz. Das ist aber nur so meinen Empfindung und die muss nicht stimmen.

Was ist schlimmer, unsichtbar sein oder missverstanden werden?

Eindeutig missverstanden.

Und wann hast du das letzte Mal jemanden wirklich gesehen, ohne ihn direkt einzuordnen?

Hm, direkt einordnen ist ja auch eine menschgegebene Schutzfunktion. Ich ordne tatsächlich beruflich bedingt Leute ein, versuche (und hoffe das ich es auch richtig mache) es dann aber im Verlauf als unvoreingenommen wieder zu sehen.

Fühlst du dich öfter übersehen oder eher falsch gesehen?

Hm, übersehen geht m. E. schwerlich bei meinen Aussehen. Falsch gesehen, kommt drauf an wie ich definiere das ich gesehen werden will.
 
Brummsel 21.04.2026 19:39
Übrigens kommt heute Abend bei 37 Grad, 22:15 ZDF ein vielleicht sogar passendes Thema: Beziehung mit der KI. Finde das passt irgendwie zum "Gesehen werden".
Für manche eventuell die einzige Variante das Gefühl zu bekommen jemand hört zu und versteht dich. Kaum vorstellbar, aber warum nicht?
Nur so ein Gedanke....
 
Rouvi 21.04.2026 19:42
Ich lege es nicht bei Hinz und Kunz drauf an gesehen zu werden, körperlich falle ich eh auf, aber darum geht´s hier nicht, denke ich mal. Wenn man einen Menschen interessant findet kann man sich Gehör bzw. Sichtbarkeit schaffen. Reden oder sich anders mitteilen ist schon ein Schritt in die richtige Richtung. Eine APP oder KI ist dort völlig fehl am Platz, man möchte selber gesehen werden und nicht was ein Programm versucht zu vermitteln, aber leider geht es immer mehr in diese Richtung.
 
Zenaida 21.04.2026 19:46
Schönes Thema, Julchen. Ich denke, das hängt von der persönlichen Situation ab. Wenn ich die Erfahrung gemacht hätte, stets unbeachtet zu sein und übersehen zu werden, würde ich anders antworten. Ich werde gesehen von meiner Familie, meinen Freunden, meinem Partner und oft sogar auch meinen Auftrag- bzw. Arbeitgebern. 

Ob mich unbekannte menschen übersehen oder mich falsch einschätzen oder missverstehen, ist mir relativ schnurz. Aber das kann ich so entspannt sagen, weil ich genug Aufmerksamkeit und Anerkennung aus meinem näheren Umfeld bekomme. Nur da, wo eine falsche Einschätzung direkte Auswirkungen im RL auf mich hätte, ist es mir wichtig, dass ich nicht grundsätzlich missverstanden werde, in der Arbeit z.b. oder früher von Nachbarn, die mir trotz Gebrüll des Kindes nie das Jugendamt auf den Hals gehetzt haben. zwinkerndes Smiley
 
Lustforlife 21.04.2026 19:55
Um ein Gegenüber wirklich zu "sehen" gehören Einfühlungsvermögen, Respekt, Geduld und last not least Zeit dazu, alles Dinge die in unser schnelllebigen Zeit rar geworden sind. 
Man muss Interesse aufbringen , aufmerksam zuhören ,auch mal nachfragen, wenn einem was unklar ist. Einfach Empathie haben, ohne gleich mit eigenen Problemen aufzuwarten. Im besten Fall kann man versuchen sich in den Anderen reinzuversetzen, auch wenn das aufgrund der eigenen Prägung nicht immer möglich ist.
 
Julchen89 21.04.2026 19:59
Ich les hier gerade eure ganzen antworten und dachte mir, ich werf einfach mal kurz was dazwischen. Echt viele gute Gedanken dabei, richtig treffend, teilweise Sachen, über die ich so noch gar nicht nachgedacht hab. Schon spannend, wie unterschiedlich man so einen Satz auffassen kann.

Und eigentlich ist das ganze noch viel absurder. Ich steh seit Januar jede Woche gegenüber von diesem Zaun. Immer derselbe Blick, immer dieselbe Ecke. Und heute erst fällt mir dieser satz auf und haut mir so rein, als hätte er da extra auf mich gewartet.

Normalerweise rauscht sowas bei mir komplett durch. So typische "jaja, tiefgründig, weitergehen" momente. Aber der hier irgendwie nicht. Der ist hängen geblieben 🤫
 
Brummsel 21.04.2026 20:00
Hängt es nicht auch ein Stück von mir selbst und dem was ich zeige ab, wie mich jemand wahrnimt?
 
Lustforlife 21.04.2026 20:02
Jule, bestimmte Dinge und Situationen nehmen wir genau in dem Moment wahr, in dem sie für uns wichtig sind,😘
 
Lionheart68 21.04.2026 20:06
Siehste Julschen, man kann mit offenen Augen durch die weite Welt gehen und sieht die kleinen Dinge erst aufm zweiten oder dritten Blick...😉
 
Julchen89 21.04.2026 20:10
Das stimmt natürlich. Ich kam auch unmittelbar von einem Arzttermin, bei welchem ich mich sehr gesehen und verstanden gefühlt habe. Quasi gutes Gefühl, dann den Zaun gesehen. Aber ja. Es ist natürlich "besser", von seinem realen Umfeld gesehen zu werden. Ärzte werden schließlich dafür bezahlt 😂

Missverstanden zu werden, finde ich auch schlimmer, als unsichtbar zu sein. Denn weshalb soll man für fremde Leute einfach so sichtbar sein? Das passiert ja erst, wenn man in Kontakt kommt
 
Brummsel 21.04.2026 20:19
Aber mal so am Rande: alle, die hier in dem Diskussionsforum schreiben möchten auf die eine oder andere Art gesehen werden. Und ja, jeder wird gesehen...egal wie. Aber das "gesehen werden" ist garantiert! 😉
 
Steinbock75 21.04.2026 20:20
Jenau, och wenn's nur offline jeht. 😂😂
 
GraueMaus 21.04.2026 21:24
Ich war heute Nachmittag bei einer Veranstaltung meiner Kirchengemeinde. Es gab Kaffee und Kuchen und danach einen Vortrag mit vielen tollen Fotos von einem Naturschutzgebiet bei uns. Viele seltene Pflanzen, Nahaufnahmen von Insekten, Bienen und Schmetterlingen, die den Nektar der Blüten aufsaugten. An unserem Tisch war ich die Zweite in einer langen Reihe. Die Erste war eine sehr alte Dame. Ihr und mir gegenüber saß niemand. Ich ging mehrmals zu Frauen im Saal, die ich kannte und sprach mit ihnen. Ich war die Letzte, die mit dem Kuchen essen begann. Dann dachte ich: "Neben dir sitzt die alte Dame." Zweimal kamen Leute zu ihr, um sie zu begrüßen und mit ihr zu reden. Aber dann sprach lange niemand mit ihr, während ich unterwegs war. Also wendete ich mich ihr zu und sprach sie an. Ein Schwall von Worten kam aus ihrem Mund! Sie konnte gar nicht mehr aufhören zu reden. Ich hörte ihr lange zu und sprach mit ihr. Nach längerer Zeit sagte ich zu ihr: "Aber jetzt muss ich mich meinem Kuchen widmen. Bald beginnt der Vortrag, da will ich doch aufmerksam sein." Während des Vortrags mit wunderschönen Fotos von wilden Orchideen und anderen seltenen Pflanzen merkte ich, dass sie mehrmals den Kopf hängen ließ und einnickte. Wenn ganz schöne Fotos kamen, klopfte ich ihr mit einem Finger leicht auf die Schulter, dann machte sie die Augen auf. Als der Vortrag vorüber war, redeten wir wieder ein wenig miteinander.
 
fetzenfisch 21.04.2026 23:07
Der Esel zeigt dir sein Gesicht, er sieht ums Eck du merkst es nicht. Den Spiegel, den hält er dir vor, drum leih' Du ihm doch mal dein Ohr.
Was siehst du da im Spiegel drin?! Du bist es! Mit dem Doppelkinn!🤓
Du bist alt, das ist wohl wahr. Doch ist es nicht auch sonderbar (ein winzig kleines? Dass sei erlaubt)
Du hast auf falsche Ansichten gebaut!
Der Blickwinkel, der bringt's ans Licht, es hat doch plötzlich kaum Gewicht. Was gestern war, das ist vorbei.
Drumm schrei hinaus, wie Böllerei, die schwere Last, sie ist vorbei.
Der Esel der im Spiegel war der ist jetzt auch schon nicht mehr da. Er hat sie dir schnell abgenommen die Last die dich benommen und auch durcheinander machte die trägt jetzt fort und lachte.

Er half dir, hat ganz viel gemacht. Denn der Esel er arbeitete mit bedacht.
Er hat dir doch jetzt Glück gebracht!
Stur ist er jetzt davon getrottet, mit der Last die dich verspottet. Er ist nun weg das glaube mir.
Das kannst du sehen. Schau mal genau dahin, ja da in dem Spiegel drin ganz klar. Das bist nur du.
Das Lebewesen das da lacht ja das bist du es ist vollbracht!
Du bist da drin mit deinem Doppelkinn🤩🤓

Und die Moral von der Geschicht, es war zwar nur ein klein Gedicht das stört mich nicht. Es hat doch wohl zu Tage gefördert was man grad denkt das gehört gelenkt. Ja genau das siehst du recht.
Der Blickwinkel der macht's nicht schlecht.
Ins Positive hat er's gerückt sehr ausgeschmückt in Bildern wohl, nein das ist nicht hohl. Es macht es schön und wunderprächtig, so sei nicht einfach nur bedächtig.
Die Mäggi lacht das hat's gebracht.
 
rollihexle 22.04.2026 15:08
Frage 1:
Bei meinem Hausarzt, Neuro und 2 andern Ärzten die mich ernst nehmen.


Frage 2:
Beides


Frage 3:
Sehen ttu ich den/die Menschen, mit wahrnehmen habe ich Probleme

Frage 4:
Auch beides
 
Siebenpunkt 22.04.2026 21:20
nehmen wir uns für jeden Menschen, an denen wir vorbeigehen, einen Moment Zeit und schauen ihm in die Augen? wohl eher nicht, 
und wer von jedem gesehen werden will, sollte sich einen Narrenkostüm anziehen oder was anderes ausgefallenes anstellen
er reicht doch, von den uns wichtigen Personen nicht übersehen zu werden, mir jedenfalls
 
Julchen89 22.04.2026 21:25
Das sehe ich auch so
 
Hulda 22.04.2026 22:28
Deine Zeilen bewegen etwas in mir, vielleicht gerade etwas zu viel, weil es mich innerlich sehr aufwühlt und ich doch den Drang habe etwas zu schreiben - ambivalent eben

Gerne wäre ich als Baby, Kleinkind, Kind, Jugendliche und junge Erwachsene gesehen worden. Stattdessen musste ich lernen meine Seele abzuspalten um zu überleben 

Voller Schmerz, durch schweren Missbrauch auf allen Ebenen, war es mir nie möglich das Gefühl zu haben, überhaupt von jemandem gesehen zu werden, ich wurde ja nie gespiegelt 

Es hat mich seelisch sehr schwer krank gemacht und leider sehe und erkenne ich mich selbst kaum bis gar nicht. Und wenn das nicht gegeben ist, wie können mich dann andere sehen!?

Wie kann mich ein gesunder Mensch, als solches, nämlich als eine enorm geschundene Seele sehen, wenn jenen Menschen emotionale Intelligenz oder eine gewisse Tiefe fehlt? 

Wenn ich das Gefühl kurzzeitig habe, gesehen zu werden, dann ist das eine intensive Spiegelung für mich. Umgedreht habe ich manchmal das Gefühl jemandem zu tief in die Seele zu schauen, sodass es meinem Gegenüber schon unangenehm ist 

Diese Zeilen stammen gerade aus einer halbwegs stabilen Position heraus, die in ein paar Minuten, Stunden oder morgen schon wieder völlig instabil sein kann
 
Thohom 22.04.2026 22:47
Ich denke man wird immer gesehen. Den Unterschied machen Intensität und Bewertung aus und das kann man sich m.e. nicht aussuchen, weil jeder Mensch eine individuelle Linse hat, durch die er schaut.

Das kann man selber als furchtbar ungerecht empfinden, aber ändern kann man es nicht oder vielleicht, wenn man versucht jedem nach dem Mund zureden als persönliches Marketing.
 
Hulda 22.04.2026 23:08
Stimmt, gesehen wird man immer. Dazu hab ich jetzt mal das Beispiel der Oberflächlichkeit. Ich bin krank und behindert, meinem Kopf sieht mir das erstmal nicht an, da kommt dann der Spruch, du siehst ja gar nicht krank und behindert aus...ja muss ich denn auch noch scheiße aussehen wenn es mir schon scheiße geht?--> entschuldigt die Wortwahl.

Dieses ständige bewerten raubt mir Nerven die ich gar nicht mehr habe, zumindest manchmal
 
Sui 22.04.2026 23:29
@Hulda, das sehe ich genauso.
Leider ist es sehr verbreitet, dass Menschen mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen, chronischen Schmerzen oder psychischen, neurologischen Erkrankungen, im Alltag oft nicht ernst genommen werden, weil ihre Einschränkungen nicht sofort ins Auge fallen. 
Ist schon sehr belastend.
 
Steinbock75 22.04.2026 23:35
Ist bei leichten Behinderung och so. Wenn man so dazwischen ist.
 
Hulda 22.04.2026 23:38
Ja Sui das ist sehr belastend. Ganz schlimm fande ich es im Freundeskreis und das obwohl sie es am besten wussten. Ist zum Glück Geschichte
 
Julchen89 22.04.2026 23:45
Ich hab deine beiden kommentare jetzt ein paar Mal gelesen und irgendwie bleibt da was hängen. Nicht dieses schnelle "ja versteh ich", sondern eher so ein stilles "fuck, das sitzt".

Dieses Gefühl, nicht wirklich gesehen worden zu sein, sondern eher… übersehen, falsch gelesen oder komplett übergangen... das ist schon ne andere liga als einfach "nicht genug Aufmerksamkeit bekommen". Und dass man sich dann selbst irgendwann auch nicht mehr richtig greifen kann, macht das Ganze ja nicht einfacher.

Und dieses Ding mit "du siehst gar nicht krank aus".... ja, Klassiker. Als müsste man erst komplett auseinanderfallen, damit es für andere irgendwie "gültig" ist. Als ob man sich noch Mühe geben müsste, überzeugend kaputt zu wirken. Total absurd eigentlich.
Ich find aber interessant, dass du trotzdem so reflektiert darüber schreibst. Also dieses Bewusstsein dafür, was da in dir passiert, dieses ambivalente "ich will gesehen werden, aber es ist auch zu viel", das ist ja keine Oberflächlichkeit, ganz im Gegenteil.

Und ganz ehrlich. Nur weil jemand anders vielleicht nicht die Tiefe hat, heißt das nicht automatisch, dass du "zu viel" bist. Manchmal passt die Linse einfach nicht, durch die geguckt wird.

Und dieses "man wird immer gesehen"... ja, stimmt irgendwie. Aber gesehen werden heißt halt noch lange nicht verstanden werden. Und da liegt ja oft der eigentliche knackpunkt
 
Zenaida 22.04.2026 23:51
Nein, thohom, nicht jeder wird gesehen. In meiner Klasse damals war ein Junge, der so still und introvertiert war, dass da oft keiner mehr wusste, ob er überhaupt da war. Der war von seinem ganzen Habitus her vollkommen unauffällig, unauffällige Klamotten, saß stumm auf seinem Platz, meldete sich nie…. Wie und wo der die Pausen verbracht hat, wusste auch keiner… Das gibt es tatsächlich. Der war nicht unangenehm, aber nicht spürbar und nicht präsent.
 
Julchen89 22.04.2026 23:53
Sowas ist traurig. "Wir" hätten ihn damals zumindest angesprochen, obwohl alles okay ist
 
Thohom 23.04.2026 00:22
Ich habe auch schon mal vor der psychosomatischen Klinik gesessen und die Typen vorbei laufen den sehen, die mit dick verbundenen Arm aus dem KH nebenan liefen. 
Die Nebensitzer und ich hätten auch gern nen amtlichen Kopfverband gehabt, um nach außen krank zu sein.

Hulda, würdest Du Dich nicht auch wundern, wenn jemand OK aussieht und Dir gleichzeitig erzählt, dass er sterbenskrank ist? 
Man muss nicht Scheisse aussehen, nur weil man krank oder behindert ist.

Zenaida, auch der Typ wurde als fehlend im Klassenbuch eingetragen, wenn er fehlte.
 
Zenaida 23.04.2026 03:45
Julchen, der war immer so, von der 5. Klasse an…. Erst in der kollegstufe ist er etwas „aufgetaut“. Wir kannten ihn gar nicht anders. Allerdings wirkte er nicht unglücklich. Aber vielleicht merkt man das mit 10 Jahren nicht sorichtig und dann hat man sicheibfach daran gewöhnt…. 

Thohom, genau das war eben das Problem. War hatten ein paar Lehrkräfte im Laufe der Jahre, die diese Eintragungen ins Klassenbuch nicht zu Beginn einer Stunde machten sondern danach. Wenn man da als Schüler noch im Klassenzimmer war, kam dann sehr oft die Frage, ob denn der Klaus heute da gewesen sei. Er ist eben weder den Lehrern noch den Schülern aufgefallen….
 
Jinjer 23.04.2026 07:15
ich musste beim lesen auch an menschen denken, die gesellschaftlich oft gar nicht wirklich gesehen werden wie obdachlose, psychisch kranke oder einfach diejenigen, die schnell durchs raster fallen.

sie sind sichtbar und gleichzeitig unsichtbar. man läuft an ihnen vorbei, registriert sie vielleicht, aber echtes hinsehen wäre unbequem.

deshalb ist „gesehen werden“ für mich nicht nur etwas sehr persönliches, sondern auch eine gesellschaftliche frage. wer gilt als relevant, wer wird ernst genommen und wer wird einfach übergangen.

vielleicht beschäftigt mich das auch deshalb, weil mir mein alltag dieses hinschauen ermöglicht. ich selbst fühle mich in meinem leben gesehen und merke umso deutlicher dann manchmal, wie viele andere genau das nicht erleben.
 
perfectday 23.04.2026 09:35
Ja, der Mernsch will gesehen werden in seiner Einzigartigkeit. Der Mensch will um seiner selbst Willen geliebt und nach Möglichkeit auch verstanden werden.

Das sind einfach Grundbedürfnisse. Je nach Persönlichkeit ist dieser Wunsch unterschiedlich ausgeprägt.

Von "meinen Menschen" möchte ich geliebt und gesehen werden.
Andere sind mir egal.
Ich halte mich eher im Hintergrund. Da fühl ich mich wohl.😊
 
Thohom 23.04.2026 10:39
Ich halte es für falsch, wenn man seinen eigenen Maßstab in Sachen Sichtbarkeit auf die gesamte Menschheit projeziert. 
Wenn man eher im Hintergrund oder sogar mit Tarnkappe unterwegs ist, dann halte ich das für genauso legitim, wie jemand im bunten Anzug und Blinklicht auf dem Kopf unterwegs ist, um ja nicht zu übersehen.

Kritisch wird es m.e., wenn sich jemand beschwert, dass man ihn unter der Tarnkappe nicht sieht.

Ich hab hier ja schon beschrieben, dass ich durchaus nicht immer so genau gesehen werden möchte. Ich melde mich schon, wenn ich meine Meinung zu einem Thema dazu geben möchte.
 
Nordlicht1961 23.04.2026 12:11
Sitze gerade in einem recht vollen Wartezimmer und sehe die Mitwartenden. Allerdings werde ich mich schon heute Nachmittag kaum mehr an alle erinnern. Das Sehen bleibt idR nämlich nicht nachhaltig und ist hier mE auch nicht gemeint. „Sich gesehen fühlen“ oder in anderer Richtung „Jemanden wirklich sehen“ bedeutet mE etwas ganz anderes. Ich kann jemanden sehen, wahrnehmen, ihn/sie in seiner/ihrer Einzigartigkeit erkennen und umgekehrt. Das ist etwas ganz Besonderes, Wunderbares. Hier im Wartezimmer ist das anders. Natürlich sind die Menschen auch unterschiedlich und einzigartig, aber diese zufällige Begegnung ist nur flüchtig. Beim echten Sehen und Gesehen werden schwingt etwas nach, es gibt eine gewisse emotionale Fülle, eine innere Berührtheit, eine spürbare Nähe. Eben das Besondere, Wunderbare.
 
merry1 23.04.2026 13:02
Ich finde, es ist kaum möglich, nicht gesehen zu werden.

Die ganze Nachbarschaft schaut eh meistens auf die anderen. Wenn mein Fenster mal nicht geputzt ist, ich mal nicht meinen üblichen Weg gehe,...........werden gleich wilde Vermutungen angestellt.
Der Neugierde kann man kaum entgehen.
,, Wie hoch ist die Miete, Woher kommst du, wieviel Geld hat die,........ Einfach lästig ohne Ende. Traurig, wenn man das Leben anderer interessanter findet als sein eigenes.
Und Obdachlose werden doch auch gesehen. In den Medien, in der Gesellschaft sind sie auch Thema. Hier, in unserer Stadt, gibt man ihnen etwas in die Sammeldose etc. und spricht mit ihnen, falls es möglich ist.

Ich finde es eher schwierig nicht gesehen zu werden.
 
EinedieserSteine 23.04.2026 13:33
Schublade
Kind
Jugendliche 
Mutter mit Kind
Familie
Rentner
 
Thohom 23.04.2026 14:19
Ich glaube, ich habe heute eine junge Frau gesehen, die es darauf anlegte gesehen zu werden.

Aussentemperatur um die 16° bei Sonnenschein. Die stämmige dame trug ein quietschgelbes Sommerkleidchen. Mini und mit dünnen Trägern über den Schultern. 

Ich hab sie als "underdressed" gesehen.... zumindest bei diesen Temperaturen.😅
 
blume 23.04.2026 15:28
@graue Maus…ich glaub, meine Mama war auch bei dem Vortrag ☺ die Welt ist ne Erbse
 
Thohom 23.04.2026 16:02
Merry, hier sind in den Blogs auch User unterwegs, die sehr genau nachfragen.😉
 
Hulda 23.04.2026 18:30
Julchen, Selbstreflexion ist enorm wichtig für mich. Ich will ja weiterkommen. Stillstand ist Gift
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