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von ausgerissener Feder

von ausgerissener Feder
Heute ist es also so weit… wieder einmal hat Haferflocken sich kurz auf ein kleines Spiel eingelassen und dann gekniffen - oder habe ich ihm etwa die Eier geklaut?

Wie dem auch sei - nun werde ich ihm ein paar Federn rupfen, und mir eine davon kurz ausleihen, in seiner Manier zu schreiben.
Eine Frau warten zu lassen in Erwartung schickt sich nicht - oder doch? Nur, wenn danach etwas folgt, für das sich diese Haltung, die mir so gar nicht steht, bezahlt macht.. doch selbst ist die Frau, muss ich diese Rechnung wohl auch selbst begleichen. ☝

Nundenn, wie würde er beginnen? Zunächst mit einer Begründung, um etwas Distanz zu bekommen zum Geschriebenen und um sich nicht persönlich angreifbar zu machen…
  - ach, langweilig - die spar ich mir also heute..
..dann gilt es, inhaltlich einen Aufhänger zu finden und den Rahmen aufzuspannen - am besten mit einer Speise, und der stimmigen Umgebung (da hatten wir wohl die gleiche Idee)… und nicht zu vergessen, ein paar seiner Lieblingsworte einstreuen (Tanz oder Kaleidoskop), sehr viele Begriffe, die sich zahlreich wiederholen .. und bitte noch Synonyme, die immer vom Gleichen erzählen und den Text dennoch so herrlich aufblähen
- Metaphern, die sich sträubend doch zusammengedrängt werden - aufeinander abgestimmt oder nicht - und ein paar sexuelle Andeutungen einstreuen, doch nicht zu offensichtlich, um den feingeistigen Selbstwert zu streicheln und sich nicht wie ein verroht-getriebener Lustmolch zu fühlen…
- mit viel Geseiere (danke Steinbock für diesen Begriff, den ich mir gerne wiederholt ausleihe) zugekleistert und versteckt .. und das alles aus einer Position heraus, die etwas Erhabenheit andeutet in der man sich nach verrichteter Arbeit suhlen kann -
Genau… so will ich nun beginnen:


„Da sitze ich nun auf einer von Holzbohlen getragenen großzügigen Veranda die ganz adrett in Dielen gekleidet  ist, in welche sich seit Jahrzehnten schon Wanderschuhe eingeschrieben haben, die von unzähligen Reisen berichten könnten. Während der Blick in die Weite schweift, hält er sich kurz an manchen pudrigen Gipfeln fest und unter diesen blitzt der grau erhabene blanker Fels hervor. Dann wandert der Blick wieder durch das Tal, durch das ein kleiner Gebirgsbach mäandert, nur um zu mir zurückzukehren.  Ich gehe in mich. Atme tief ein, was mir der Teller dort zu meiner Brust verspricht.
Düfte der Verlockung kitzeln die Nase und holen mich ganz ab. Zufrieden legt sich ein erhabenes doch sanftes Lächeln in mein sonnengegerbtes Gesicht, das sich so gut in diese Landschaft fügt. Sie streckt sich vor mir nieder, als säße ich nicht auf diesem einfachen Stuhl aus mediterran verschlungenem Geflecht mit seinem weiß abplatzendem Lack, sondern hoch oben hier auf meinem Thron.

Das weitläufige Panorama, das sich vor mir ausbreitet bietet nur den passenden Rahmen für diese duftende Speise die sich dort vor mir ausbreitet. Buttrig schwer und nach frischen Eiern duftend, doch auch so luftig wie diese Anhöhe, auf die mich die Fahrt in einer Gondel trug, liegt sie vor mir: Die Perfektion und hohe Kunstform der österreichischen Kulinarik.
Ein Kaiserschmarren der sich vor mir ausbreitet. Einem Versprechen gleich lockt mich dieser Duft, den ich ganz Kenner überall herauserkennen würde. Welch ein Hochgenuss des Erlebens.
Doch diesem luftigen Kunstwerk wohnt ein Geheimnis inne, das nicht nur diese Note an dekadenter Vanille versteckt. Es ist das handwerkliche Geschick, das von Nöten ist, damit die herrschaftliche Speise in ihrer Perfektion auf dem Teller liegt, gleich einer himmlischen luftigen Erscheinung.
Der Quirl aus metallisch glänzendem Stahl will geschwungen sein von einem gelernten Könner und das mit viel Geschick, auf dass er diesem auch folgt. Eier müssen gekonnt gebrochen, und sogleich aufgeschlagen werden. Der volle Geschmack dieses Erlebens braucht die Führung einer wissenden kräftigen Hand. Brechen und fürsorgliche Schläge bedarf es, um diesen Gaumenschmaus zu bereiten.

Die Abfolge gleicht durchdachten Schachzügen, die ganz vergeistigt keine Überlegung mehr benötigen. So oft schon hat sich dieses Schauspiel fernab von Zuschauern zugetragen. Doch das Handwerk ist wie ein Tanz, der mit wohl ausgesuchtem unerbittlichem Handwerkszeug das Beste aus zuvor erlesenen Zutaten hervorzulocken weiß. Eine Choreografie vollzieht sich vor diesem einzigen Herren. An ihrer Vollendung wird nicht mehr gefeilt - die ist schon lange erreicht. Dann wird angerichtet und zu Tisch getragen.
Nicht ohne die Speise kurz zuvor fürsorglich im süßen Reigen mit etwas Puder zu bedecken, der das Arrangement abrundet, und an die weiß bedeckten Gebirgszüge erinnert. All dieses Glück, das sich dort vornehm auf feinem Porzellan bettet und ganz der Lust anbiedert. Der Wert dieser Speise wird auch von ihrer Präsentation getragen.
Die Köstlichkeit  breitet sich in ihren ganzen Fülle vor ihrem Herrscher aus. Doch der Koch ist es, der sie erst ermöglichte. Der Könner, der diesen einfachen Zutaten Gestalt verlieh. Dies in der Manier eines Künstlers, welcher immer dominiert, um sich was er vorfindet auch gefügig zu machen.
Gleich einer Mauerblume, die es erst zu beschneiden gilt und dann heranzuziehen in seine Höhen. Wie ein wildes Tier, das abgerichtet wird ohne dies zu wissen. Zuvor waren da nur Eier, etwas Mehl, Butter und dergleichen und diese ungebändigte Luft, die so ungehalten sofort verfliegt ohne von feinen Nasenspitzen auch nur bemerkt zu werden.
Abrichten, so gilt es, kraftvoll und grob - noch  lange bevor in raffinierter Finesse kunstvoll angerichtet wird.“

Da hast du deine Eier wieder, alter Knabe - gekonnt gequirlt und in Form und Höhen geschaukelt - Geseiere wird Schmarren 😘 
..doch leider ohne groß zu feilen, hast Du es ja nötig, brauchst du‘s anscheinend immer gleich. 
So konnt ich meine eigene Feder noch gar nicht in Gänze herauslöschen… doch was soll‘s, die Eier sind bereits zerbrochen.

Kommentare

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Haferflocken 28.05.2026 10:02
Bei so wenig Leben hier überleg ich echt, ob ich nicht lieber ein Micky-Maus-Buch lese, da gibt es wenigstens noch Farben und Handlung.
 
vrono 28.05.2026 10:43
…du kleine Sau … willst du mich wieder durchs Dorf jagen - und etwas Druck ausüben - so viel Plump hätt ich dir nicht zugetraut.
 
Mivida 28.05.2026 10:48
😂😂😂😂 das könnt ihr beide gut 😉 fragt sich nur...wer kann es besser 😅 sorry Vrono - Flöcki führt mit einem Punkt 😅
 
Haferflocken 28.05.2026 11:57
Du meintest, ich jage dich durchs ganze Dorf, doch in Wahrheit bin ich der Wind, der ungebändigt durch deine engen Gassen fegt, die Wege, die du läufst, habe ich längst vorausgespürt, und ehe du dich versiehst, trage ich dich weiter, bevor du überhaupt zu fliehen beginnst.
 
Haferflocken 28.05.2026 11:59
Mivida...Lass sie den Glauben an das Gute bewahren, diese kostbare Flamme, die sie nährt und wärmt in den dunklen Stunden.
 
Haferflocken 28.05.2026 12:02
Meine Plumpheit, so grob und ungeschliffen wie ein altes Stück Feuerholz, reicht völlig aus, um dich zu erreichen, denn wer braucht schon feine Poesie, wenn man mit roher Nahkampfmethode direkt ins Herz zielen kann?
 
Sui 28.05.2026 12:14
Ein wunderbares Bild. 
Manchmal wärmt ein grobes Stück Feuerholz eben besser und länger als ein kunstvoll gedrechseltes Wort. 
Ein schöner literarischer Querschläger, der auch beim Mitlesen Spaß macht. 🪵🔥
 
vrono 28.05.2026 13:41
„ein altes Stück Feuerholz“ - da ist meist schon der Wurm drin, das wärmt nicht lange, fehlt es an Substanz..
 
Rouvi 28.05.2026 14:46
Ich fasse die letzten Stunden zusammen: Vrono wird durchs Dorf gejagt und wenn sie sich nicht noch was raffiniertes einfallen lässt, wird sie am Ende auf dem Marktplatz, mit einem alten Stück Feuerholz, verbrannt. Haferflocken liest in der Zeit ein Micky Maus Buch. Hier ist was los 🤣
 
Sui 28.05.2026 18:53
Ach, der Holzwurm liest doch nur heimlich mit, weil er ein echter Bücherwurm werden will. 😉 
Und solange wir uns hier gemeinsam an den Worten wärmen, teilen wir die gemütliche Glut doch gerne.
 
Haferflocken 28.05.2026 20:09
Die Glut, die einst so hell und einladend in unseren Worten flackerte, beginnt langsam zu verklingen, ungenährt von neuen Funken, erstickt sie stille und unerbittlich, bis nur noch die Asche ihrer einstigen Wärme zurückbleibt.
 
Sui 28.05.2026 20:21
Die tiefste Wärme entsteht doch oft erst dann, wenn die Flammen tanzen und die Glut im Verborgenen glüht. Asche ist kein Ende, sondern der beste Nährboden für das nächste große Feuer. ✨🪵
 
Rouvi 28.05.2026 22:37
Glut, Flammen, Asche 🤔 Ich werde am Wochenende grillen 😊
Passt nicht zum Thema, ich weiß, wollte es nur mal erwähnt haben 😜
 
Madita 29.05.2026 10:13
Bei so wenig Leben hier überleg ich echt, ob ich nicht lieber ein Micky-Maus-Buch lese, da gibt es wenigstens noch Farben und Handlung.

Huch - ein ganz banaler, "normaler" Satz. Gerade als ich so bei mir dachte, dass ich gerne mal Mäuschen spielen würde, wenn Du ein Telefonat führst, Haferflocken; mit einem Amt. Oder auch nur eine Pizza bestellst, oder so etwas. 😀
 
Rouvi 29.05.2026 14:35
Wenn Haferflocken eine Pizza bestellt, bekommt er eine mit Schinken, Sardellen, Ananas, 6-fach Käse, eine Satellitenschüssel, ein neues Auto und ein Einfamilienhaus im Grünen am See und dabei wollte er nur eine Mafiatorte Margherita.
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