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Vor 85 Jahren: Bischof von Galen predigt gegen Euthanasie

Vor 85 Jahren: Bischof von Galen predigt gegen Euthanasie
heute vor 85 Jahren hielt Sel. Bischof Clemens Graf von Galen (später Kardinal) seine berühmte Predigt, in der er gegen das Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten sprach. Denken und ehren wir Kardinal Graf Galen an diesem Tag, indem wir Auszüge dieser wichtigen Predigt lesen. Sie ist auch in unseren Tagen sehr aktuell:

 

... Wie ich zuverlässig erfahren habe, werden jetzt auch in den Heil- und Pflegeanstalten der Provinz Westfalen Listen aufgestellt von solchen Pfleglingen, die als sog. ‚unproduktive Volksgenossen‘ abtransportiert und nach kurzer Zeit ums Leben gebracht werden sollen. Aus der Anstalt Mariental bei Münster ist im Laufe dieser Woche der erste Transport abgegangen.

 

Deutsche Männer und Frauen! Noch hat Gesetzeskraft der § 211 des Reichsstrafgesetzbuches, der bestimmt: ‚Wer vorsätzlich einen Menschen tötet, wird, wenn er die Tötung mit Überlegung ausgeführt hat, wegen Mordes mit dem Tode bestraft.

 

Wohl um diejenigen, die jene armen, kranken Menschen, Angehörige unserer Familien, vorsätzlich töten, vor dieser gesetzlichen Bestrafung zu bewahren, werden die zur Tötung bestimmten Kranken aus der Heimat abtransportiert in eine entfernte Anstalt. Als Todesursache wird dann irgendeine Krankheit angegeben. Da die Leiche sogleich verbrannt wird, können die Angehörigen und auch die Kriminalpolizei es hinterher nicht mehr feststellen, ob die Krankheit wirklich vorgelegen hat und welche Todesursache vorlag.

 

Es ist mir aber versichert worden, daß man im Reichsministerium des Innern und auf der Dienststelle des Reichsärzteführers Dr. Conti gar kein Hehl daraus mache, daß tatsächlich schon eine große Zahl von Geisteskranken in Deutschland vorsätzlich getötet worden ist und in Zukunft getötet werden soll. Das Reichsstrafgesetzbuch bestimmt aber in § 139: ‚Wer von dem Vorhaben eines Verbrechens wider das Leben . . . glaubhafte Kenntnis erhält und es unterläßt, der Behörde oder den Bedrohten hiervon zur rechten Zeit Anzeige zu machen, wird . . . bestraft‘.

 

Als ich von dem Vorhaben erfuhr, Kranke aus Mariental abzutransportieren, um sie zu töten, habe ich am 28. Juli bei der Staatsanwaltschaft, beim Landgericht in Münster und bei dem Polizeipräsidenten in Münster Anzeige erstattet durch eingeschriebenen Brief mit folgendem Wortlaut: ‚Nach mir zugegangenen Nachrichten soll im Laufe dieser Woche (man spricht vom 31. Juli) eine große Anzahl Pfleglinge der Provinzheilanstalt bei Mariental in Münster als sog. ‚unproduktive Volksgenossen‘ nach der Heilanstalt Eichberg überführt werden, um dann alsbald, wie es nach solchen Transporten aus anderen Heilanstalten nach allgemeiner Überzeugung geschehen ist, vorsätzlich getötet zu werden.

 

Da ein derartiges Vorgehen nicht nur den göttlichen und natürlichen Sittengesetzen widerstreitet, sondern auch als Mord nach § 211 des Reichsstrafgesetzbuches mit dem Tode zu bestrafen ist, erstatte ich gemäß § 139 des RStrGB. pflichtgemäß Anzeige und bitte, die bedrohten Volksgenossen unverzüglich durch Vorgehen gegen die den Abtransport und die Ermordung beabsichtigenden Stellen zu schützen und mir von dem Veranlaßten Nachricht zu geben.‘

 

Nachricht über ein Einschreiten der Staatsanwaltschaft und der Polizei ist mir nicht zugegangen.

 

Ich hatte bereits am 26. Juli bei der Provinzialverwaltung der Provinz Westfalen, der die Anstalten unterstehen, der die Kranken zur Pflege and Heilung anvertraut sind, schriftlich ernstesten Einspruch erhoben. Es hat nichts genützt. Der erste Transport der schuldlos zum Tode Verurteilten ist von Mariental abgegangen. Und aus der Heil- und Pflegeanstalt Warstein sind, wie ich höre, bereits 800 (acht hundert) Kranke abtransportiert.

 

So müssen wir rechnen, daß die armen, wehrlosen Kranken über kurz oder lang umgebracht werden. […] (Quelle: germanhistorydocs)

Kommentare

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MariaStuart 03.08.2026 20:35
Und was ist daran aktuell?
 
Klavierspielerin 03.08.2026 20:36
Dass heute der Gedenktag ist.
 
MariaStuart 03.08.2026 20:56
Dann ist es ein Gedenktag, deshalb ist die Predigt aber nicht aktuell.
Der Löwe von Münster hat oft gegen den Nationalsozialismus gepredigt.
 
GraueMaus 04.08.2026 02:44
Klavierspielerin, danke für deinen Blog. Ich beschäftige mich schon seit Jahrzehnten mit den Opfern des Nationalsozialismus (nicht nur Euthanasie, auch andere Opfer). Ich habe lange ehrenamtlich in einer KZ-Gedenkstätte gearbeitet.
 
stahlzart 10.08.2026 23:08
Euthanasie hat nie aufgehört, sie ist nur etwas diskreter geworden, z.B. der alte Opa, dem man keine Dialyse mehr anbietet und der nicht weiß, dass er eine bräuchte. Oder die alte Oma, der man ein bischen mehr Schmerzmittel gibt. Die sind da sehr kreativ. Vor wenigen Jahren starb in einem Pflegeheim in kurzer Zeit fast ⅓ der Insassen, hat keinen Staatsanwalt interessiert. Man spricht auch nicht mehr von Euthanasie, sondern von Bevölkerungspolitik. Zum "Glück" kann man ja mit dem NS gut verdecken, was heute passiert.
 
Anne58 11.08.2026 05:12
Was schreibst Du denn für ein Blödsinn????

Im Januar 2021 kam es imSeniorenhaus Matthäus in Hamburg-Winterhude zu einem verheerenden Corona-Ausbruch, bei dem sich von 118 Bewohnern 88 infizierten und in kurzer Zeit 18 Senioren starben – das entsprach fast einem Sechstel bis zu einem Fünftel der Insassen. 
Ähnliche schwere Ausbrüche mit extrem hohen Quoten an Infizierten und Todesfällen gab es während der COVID-19-Pandemie in mehreren deutschen Pflegeheimen, etwa in Thüringen oder Niedersachsen, wo jeweils ein sehr großer Teil der Risikogruppe in wenigen Wochen verstarb.
 
stahlzart 11.08.2026 10:15
Blödsinn ist für Menschen nur das, wovon sie nichts verstehen. Du offenbarst nur dein oberflächliches Wissen aus den Massenmedien. Ich habe übrigens nicht auf Hamburg angespielt.
 
Anne58 11.08.2026 17:34
Ich beziehe mein Wissen aus meiner med. abgeschlossenen Ausbildung. 
Hat aber keinen Sinn, mit einem Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker zu diskutieren.
Woher nimmst Du denn Dein angebliches Wissen?
 
Klavierspielerin 11.08.2026 19:32
@stahzart. Sterbehilfevereine wurden, wenn ich mich recht erinnere, 2020 durch den Bundesgerichtshof legitimiert. 
Die Euthanasie kommt nun anders daher, das befürchte ich auch.
Denn statt mehr Hilfe und Unterstützung für Sterbende, Kranke- z.b.in Form von Schmerzmittel, auszubauen, schicken die womöglich den Sterbehilfeverein. 

In katholischen Einrichtungen ist man noch sicher, dort wird der Lebensschutz "'von der Zeugung bis zum natürlichen Tod", hoch gehalten.
 
Anne58 11.08.2026 21:38
@Klavierspielerin:
Ich bin nicht gläubig, das vor weg. 
Jeder Mensch hat das Recht (wenn er unheilbar krank ist), sich zu entscheiden, sein Leben zu beenden.
Keiner wird zum "Sterbeverein" geschickt, das entscheidet jeder Mensch ganz für sich alleine. 
Bedingung ist, dass man dort Mitglied ist. 
Es ist furchtbar und Menschenunwürdig, Patienten künstlich am Leben zu lassen.
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